BFW-Praxistag 2022

Die ideale Mischbaumart

Ein Artikel von Philipp Matzku | 15.02.2022 - 13:23

Die Weiß- wie auch die Schwarzkiefer werden in Zukunft in Österreich sowohl waldbaulich als auch bei der Wertholzproduktion an Bedeutung gewinnen, prophezeiten die BFW-Experten. Auf sauren, trockenen, eher nährstoffärmeren Standorten ist sie im Zusammenspiel mit Laubholz eine ideale Mischbaumart. „Um die volle Amplitude der Verwendungsmöglichkeiten der Kiefer auszunutzen, ist eine frühzeitige, kräftige und seltene Durchforstung, gepaart mit einer Wertastung, zu empfehlen“, war als eines der wesentlichen Ergebnisse des BWF-Praxistages 2022 zu hören.

Lichtbaumart mit hoher Stresstoleranz

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Die Kiefer hat weltweit die größte Ausdehnung mit einer vielseitigen Holzverwendung © BFW/Clemens Schmiedbauer

Knapp 5 % beträgt der Weißkieferanteil am österreichischen Wirtschaftswald. Rund 20.000 ha, vor allem am Alpenostrand, in den Karawanken, sind mit Schwarzkiefern bedeckt. Die Kiefer hat weltweit die größte Ausdehnung und ist genetisch stark differenziert.

Ihr Schwerpunkt liegt im borealen Nadelwald sowie in Gebirgen in Südeuropa. In Mitteleuropa spielt sie auf vielen Standorten nur eine untergeordnete Rolle und ist nur in Randzonen, wie in Nordostdeutschland und Polen, bestandsbildend.

„Kiefernholz ist ideal für keilgezinktes Holz, da es weniger Äste, aber mit größeren Durchmessern als Fichte und andere Nadelhölzer hat. Astfreies Kiefernholz weist eine höhere Festigkeit als Fichtenholz auf“, informierte Dr. Silvio Schüler, vom Institut für Waldwachstum, Waldbau und Genetik des BFW. Rund die Hälfte der Sägewerke in Österreich schneidet Kiefern ein, es gibt aber kaum Kiefernspezialisten. „Die Weißkiefer ist eine Überlebenskünstlerin. Da, wo sie natürlich vorkommt, wächst sie besonders schlecht“, betonte Dr. Ernst Leitgeb vom Institut für Waldökologie und Boden des BFW.

Kiefer ist kein Fichtenersatz

Die Kiefer ist eine konkurrenzschwache, ausgeprägte Lichtbaumart und bevorzugt Böden mit geringer Vegetationsbedeckung. Sie durchwurzelt schwere Böden besser als die Fichte, ist aber sehr anfällig für Schnee- und Eisbruch. An nassen Standorten, wie Mooren, sind oftmals günstigere Wachstumsbedingungen, an Trockenstandorten wie inneralpinen Trockentälern, kommt es zu einer hohen Konkurrenz durch wärmeliebende Eichenarten, wie die Flaumeiche, oder andere Laub- und Edelhölzer.

Leitgeb sieht besonders in Trockenstressgebieten, in der Weißkiefer keinen Ersatz für Fichte. Er empfiehlt im Zuge des fortschreitenden Klimawandels eine moderate Ausdehnung auf günstigere, nicht nährstoffreiche Standorte mit einem besseren Wasserhaushalt. Dort ist auch eine Mischung mit der Fichte möglich. Kiefernreinbestände genauso wie optimale Standorte sollten aus Sicht des Bodenexperten vermieden werden, da dort eine hohe Konkurrenz mit der Buche besteht und es bessere Alternativen an Baumarten gibt, wie beispielsweise den Bergahorn.

Vorteile der Schwarzkiefer

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Schwarzkiefern am Anninger bei Mödling in Niederösterreich © BFW

„Die Österreichische Schwarzkiefer ist trockenresistenter als die Weißkiefer, bevorzugt Trockenstandorte auf Dolomit und meidet nasse Böden. Sie ist gerade im Steinfeld südlich von Wien bestandesbildend und mit zunehmender Standortsgunst erhöht sich ihr Nutzungspotenzial“, betont Leitgeb.

Schüler empfiehlt den Aufbau stabiler und wüchsiger Mischbestände auf mäßig trockenen Standorten. Ideal ist ein Kieferngrundbestand mit Laubholztrupps mit kleinflächigen Mischungen von 1000 bis 2000 m2. Im Bergwald auf schwachwüchsigen Standorten kann mit Fichte, Buche und Tanne gemischt werden.

Geringe Stammzahlen sind besser

Der Waldbauexperte spricht sich für Begründungen mit Stammzahlen von 3000 bis 4000 Stück/ha. Ab einer Höhe von 10 m sollten die Z-Bäume ausgewählt und freigestellt werden. Bei Starkholz (+60 cm) sind das 150 und bei schwächeren Zieldurchmessern maximal 200 Z-Bäume. Eine sichere Wertholzproduktion ist laut Schüler nur über eine Astung möglich. „Das Wachstum der Kiefer kulminiert früh, zu spät freigestellte Bäume benötigen wesentlich mehr Zeit, um die gewünschte Zielstärke zu erreichen. Bei hohen Stammzahlen entstehen lange, dünne und hohe Kronenansätze. Bei zu viel Platz wiederum haben wir mehr Äste und somit weniger Vorrat für die Holzverarbeitung“, betont Schüler.

„Auf den sandigen Standorten Nordostdeutschlands (Brandenburg) hat die Kiefer praktisch keine Konkurrenz mit anderen Baumarten. Dort sind höhere Stammzahlen pro Hektar möglich, Dickungspflege und Durchforstungen erfolgen später. Für Österreich sind diese Maßnahmen aufgrund der unterschiedlichen Standorte ungeeignet“, informiert Schüler. Bei hoher Stammzahl drohen in der Alpenrepublik hohe Ausfälle durch Schneebruch und Diploida-Kieferntriebsterben. „Um einen Befall zu vermeiden, sind neben dem Dichtstand extrem trockene Standorte zu meiden sowie stark vom Borkenkäfer befallene Bäume zu entnehmen“, erklärt Dr. Katharina Schwanda vom Institut für Waldschutz des BFW.