Waldumbau

Europas Wälder verlieren seit 2018 deutlich mehr Biomasse

Ein Artikel von Philipp Matzku (für Forstzeitung.at bearbeitet) | 06.08.2026 - 15:02
TUM_Biomasse_Wald.jpg

Eine TUM-Studie zeigt, dass Europas Wälder seit 2018 deutlich mehr oberirdische Biomasse verlieren. Besonders betroffen sind die durch Dürre und Borkenkäfer geschädigten Wälder Mitteleuropas. Im Bild: Dr. Katja Kowalski und Prof. Cornelius Senf bei der Arbeit mit einem Laserscanner. © Sebastian Kissel / TUM

Seit 2018 verlieren Europas Wälder deutlich mehr oberirdische Biomasse als in den Jahrzehnten zuvor. Das zeigt eine Studie der Technische Universität München, die erstmals Veränderungen der Waldbiomasse in ganz Europa anhand von Satellitendaten untersucht hat. Demnach gingen zwischen 2018 und 2023 pro Hektar Waldfläche jährlich durchschnittlich 46% mehr Biomasse verloren als im Zeitraum von 1985 bis 2017.

Als Hauptursache nennen die Forschenden klimawandelbedingte Störungen. Vor allem zunehmende Dürreperioden schwächen die Bäume und begünstigen die Vermehrung von Borkenkäfern. Der starke Anstieg des Biomasseverlustes seit 2018 sei daher vor allem auf diese Ereignisse zurückzuführen.

Besonders betroffen sind die Wälder Mitteleuropas. Aufgrund ihrer hohen Biomasse führen Dürre, Stürme und Borkenkäfer hier zu besonders hohen Kohlenstoffverlusten. In Deutschland setzen gestörte Waldflächen heute durchschnittlich rund 230 t CO₂-Äquivalente je Hektar frei, vor 2018 waren es rund 170 t.

Von 1985 bis 2023 wurden laut Studie 18% des Biomasseverlustes durch natürliche Störungen wie Insektenbefall, Stürme, Dürren oder Waldbrände verursacht. Seit 2018 stieg dieser Anteil auf 23%. Der überwiegende Teil des Biomasserückgangs entfällt zwar auf die Waldbewirtschaftung, geerntetes Holz bleibt jedoch häufig langfristig in Holzprodukten gebunden.

Wälder sind durchaus in der Lage, sich von Störungen zu erholen. Wir stehen deshalb nun vor der Aufgabe, die Speicherfunktion unserer Wälder wieder zu erhöhen und sie an zukünftige Bedingungen anzupassen.


Univ. Prof. Dr. Cornelius Senf, Institut für Earth Observation for Ecosystem Management, TUM

Die Forschenden sehen auch Auswirkungen auf die EU-Klimaziele. Ab 2030 sollen die Wälder der Europäischen Union jährlich 310 Mio. t CO₂-Äquivalente binden. Da die Kohlenstoffsenke Wald bereits an Leistung verliert, sei eine an den Klimawandel angepasste Waldbewirtschaftung notwendig, um die Speicherfunktion der Wälder langfristig zu stärken.