Österreich

Bilanz der Naturereignisse 2024

Ein Artikel von Valentin Stilc, BML, Abt. III/4 Wildbach- und Lawinenverbauung und Schutzwaldpolitik | 05.05.2025 - 12:19

Der Winter verlief aus WLV-Sicht sehr ruhig. Es wurden nur im Februar und März je ein Ereignis registriert. Mit dem Start der Unwetterperiode im Mai 2024 mit 21 Wasserereignissen und sieben Rutschungen, war die WLV besonders in der Steiermark, Bezirk Weiz, erstmal gefordert. Mehr als die Hälfte der Wasserereignisse wurde als „extrem“ eingestuft. Anfang Juni traf es dann wieder die Steiermark: Mehrere Gewitterzellen am 8. Juni brachten in den Gemeinden Belbach und Deutschfeistritz innerhalb von drei Stunden durchschnittlich 140 mm Niederschlag (INCA-Analyse). Gemeinsam mit der hohen Vorfeuchte aus dem Mai und einem Starkniederschlag am 7. Juni löste der Gewitterregen am Übelbach bei Deutschfeistritz einen Abfluss von 139 m3/s aus. Dieser liegt deutlich über dem 100-Jährigen Ereignis. Massive Ausuferungen und Verklausungen waren die Folge. Auch andere Einzugsgebiete wurden aktiv. Murschübe und Überschwemmungen führten zu Schäden an Gebäuden und Infrastruktur.

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Überschwemmungen in Feldbach/Innerkrems (Kärnten) © Valentin Stilc

Starkniederschläge in den Sommermonaten
Das Gros der Ereignisse 2024 wurde in den Sommermonaten (Juni 23,7%, Juli 24,2%, August 24,2%) verzeichnet und durch Starkniederschläge verursacht. Auch in diesem Zeitraum war die Steiermark am stärksten betroffen: Rund 40% der Ereignisse in diesem Zeitraum betrafen steirische Gemeinden, 25% Tiroler Gemeinden und 16% Kärntner Gemeinden.
Besonders hervorzuheben sind die Gemeinden Aflenz und Thörl, die gleich zwei Mal stark getroffen wurden: Am 17. Juli kam es zu Gewitterniederschläge mit 29–35 mm in 30 Minuten beziehungsweise bis 100 mm in 3 Stunden. Dadurch kam es im Feistringbach und in seinen Zubringern zu starken Erosionen, großem Wildholzeintrag und in Folge Verklausungen bei Wildbachsperren und Brücken. Sowohl Geschiebe als auch Wildholz wurden im Siedlungsbereich abgelagert. Die Vb-Wetterlage (gekennzeichnet durch Tiefdruckgebiete, die üblicherweise von der Adria nordwärts über Österreich und Ungarn nach Tschechien und Polen ziehen) von 13. bis 15. September, die in weiterer Folge die Hochwässer in Niederösterreich auslöste, lieferte auch in Aflenz und Thörl bereits beträchtliche Niederschlagssummen mit mehr als 300 mm. Glücklicherweise konnte durch die niedrige Schneefallgrenze (um die 1.000 m Seehöhe) nur ein Teil des Niederschlags in den Einzugsgebieten zurückgehalten werden und die Anzahl der Ereignisse blieb überschaubar.
Die Starkniederschläge im September lösten aufgrund der geringen Intensität, aber langen Dauer in Oberösterreich und Niederösterreich viele Rutschungen aus, aber auch Wildbäche wurden aktiv. Die Intensität war aber in den meisten Fällen gering bis mittel.

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© Forstzeitung

Wasserereignisse am Häufigsten
Insgesamt wurden 2024 von der WLV 426 Ereignisse dokumentiert. Davon wurden359 Wasserereignisse (84%), 2 Lawinenereignisse (0,5%), 42 Rutschungsereignisse (10%) und 23 Steinschlagereignisse (5,5%) registriert. 
Zur Bewältigung der Ereignisse wurde von der WLV in Kooperation mit den betroffenen Gemeinden und Ländern 212 Sofortmaßnahmen mit Gesamtkosten von rund 23,9 Mio. € umgesetzt. Die größten Investitionen in diesem Bereich wurden in der Steiermark (10,4 Mio. €) und in Tirol (6,3 Mio. €) getätigt. Damit war 2024 eines der kostenintensivsten Jahre im Bereich der Katastrophenbewältigung. Seit 2009 wurde nur 2013 mehr in Sofortmaßnahmen investiert (27,9 Mio. €).

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© WLV

Investitionen und Maßnahmen der Wildbach- und Lawinenverbauung
2024 wurden vom Forsttechnischen Dienst für Wildbach- und Lawinenverbauung 215,2 Mio. € auf insgesamt 990 Arbeitsfeldern umgesetzt. Der Bund beteiligte sich im Bereich der Wildbach- und Lawinenverbauung mit rund 54% an Schutzprojekten. Der Schwerpunkt der Investitionen lag mit 77% wie in den Vorjahren in der Wildbachverbauung. Investitionen in den Lawinenschutz (6%) blieben in etwa auf dem gleichen Niveau. Die Ausgaben im Bereich des Steinschlagschutzes und der Rutschungssanierung (8,3%) wurde gegenüber dem Vorjahr deutlich mehr investiert. Im Bereich der Flächenwirtschaftlichen Projekte, bei denen der Fokus auf nachhaltigen Investitionen in den Schutzwald liegt, machten 8,8 % des gesamten Bauvolumens aus und liegen damit gleich hoch wie im Vorjahr. 
Der mittlere Bundesbeitrag an den Maßnahmen der Wildbach- und Lawinenverbauung ging 2024 leicht zurück auf 53,8%. Grund für den Rückgang waren die hohen Investitionen in die Bewältigung der Katastrophenschäden. Der Landesanteil steigerte sich aus dem gleichen Grund auf 19,9%. Damit konnte einer Steigerung der Interessentenbeiträge entgegengewirkt werden. Der Beitrag der Interessenten (Gemeinden, Wassergenossenschaften, Wasserverbände, Infrastrukturträger...) lag im österreichischen Jahresmittel bei 26,3%.
Die Verteilung der Bauausgaben auf die Gemeinden in der Abbildung oben zeigt, dass die WLV in vielen Gemeinden aktiv ist und es wenige Hotspot-Gemeinden gibt. In den Gemeinden Ybbsitz, Saalfelden am Steinernen Meer, Hofstetten-Grünau, Tux und Leogang wurden 2024 am meisten Maßnahmen umgesetzt. Im Mittel werden auf einem Arbeitsfeld der WLV rund 200.000 € Gesamtmittel umgesetzt.