Zogen eine positive Bilanz: Andreas Gruber, ÖBf-Vorstand für Forstwirtschaft und Naturschutz, und Georg Schöppl, ÖBf-Vorstandssprecher und Vorstand für Finanzen und Immobilien © ÖBf/APA-Fotoservice, Roland Rudolph
„Lieber einen Journalisten im Sperling als eine Taube am Dach“, mag so manch einer gedacht haben, als bei eisigen Außentemperaturen drinnen im Wiener Café Sperling von den ÖBf-Vorständen Georg Schöppl und Andreas Gruber Herzerwärmendes verkündet wurde. Auf sehr trockene Verhältnisse im Winter und Frühjahr waren nämlich im Vorjahr ein feucht-kühler Mai und ein regenreicher Juli gefolgt, die den Schadholzanteil von etwa 1,5 Mio. Efm (75% der Holzerntemenge) 2024 nach zwei Extremjahren auf 895.000 Efm (50% der Holzerntemenge) senkten und damit ungefähr zurück auf das Niveau von 2022 brachten, berichteten die beiden. „Der überwiegende Anteil stammt aber noch von den Unwettern des Jahres 2024“, sagt Andreas Gruber, ÖBf-Vorstand für Forstwirtschaft und Naturschutz. Insgesamt ernteten die ÖBf 2025 rund 1,8 Mio. Efm – ein Rückgang von 10% im Vergleich zu 2024.
Weniger Kalamitätsholz
Die Waldschadensbilanz – das sind die Kosten für die Käferprävention und -bekämpfung, Infrastrukturschäden sowie Deckungsbeitragsverlust und Lagerkosten für Schadholz – belief sich 2025 auf 31 Mio. € und fiel damit um 37% niedriger aus als im Jahr davor (49 Mio. €). Etwa jeweils ein Drittel der Schadmenge war 2025 auf Borkenkäferbefall oder Sturmschäden zurückzuführen (jeweils rund 300.000 Efm). Ungefähr ein Viertel entfiel auf Schneebruch (circa 230.000 Efm). Die verbleibende Menge ergab sich aus Fangbäumen gegen den Borkenkäfer sowie weiteren Schadursachen.
„Die Natur ist immer für Überraschungen gut. Umso erfreulicher ist es, wenn es Entwicklungen sind, die am Ende zu einer positiven Gesamtbilanz im Wald führen. Aber selbst wenn wir auf unseren Flächen auf ein gutes Waldjahr mit weniger Wetterextremen zurückblicken können – weiterhin steigende Durchschnittstemperaturen und eine mittlerweile ‚normale‘ Schadholzmenge von zumindest 50 bis 60% und die immer noch hohe Schadensbilanz weisen uns den Weg“, erklärt Georg Schöppl, ÖBf-Vorstandssprecher. So verwies er darauf, dass auch 2025 eines der zehn wärmsten Jahre in der österreichischen Messgeschichte war. Die Bundesforste führen flächendeckend ein wöchentliches Käfermonitoring durch, um auf auftretenden Befall rasch reagieren zu können. „Das ist aufwendig, aber dadurch haben wir die Situation gut im Griff“, betonte Schöppl.
Wöchentliches Käfermonitoring auf der gesamten Fläche ist aufwendig, aber dadurch haben wir die Situation gut im Griff.
Wieder mehr Durchforstung
Mehr Aufmerksamkeit konnten die ÖBf im Vorjahr wieder dem Thema Waldpflege und Durchforstung zur Stabilisierung der Bestände widmen. So wurden 15,9 Mio. € für gesunde Wälder aufgewendet. Allein 6,5 Mio. € seien für Forstschutzmaßnahmen investiert worden. Zwei Drittel davon werde etwa für Entrindung am Waldort ausgegeben. „In den Wäldern der ÖBf verringert sich die Fichtenfläche um mehr als 1000 ha pro Jahr zugunsten von Mischbeständen. Unser Fokus liegt dabei auf Naturverjüngung. Wir haben im Vorjahr alle waldbaulichen Ziele erreicht, die wir uns gesetzt haben“, bekräftigte Gruber. Für jedes der 120 ÖBf-Forstreviere würden auch Naturschutzpläne ausgearbeitet, ergänzte er. Diese umfassen unter anderem Maßnahmen zur Förderung der Artenvielfalt. Für all das wurde das Forstpersonal auf der Fläche innerhalb der vergangenen fünf Jahre um rund 12% erhöht sowie Schulungen und Digitalisierung der Prozesse forciert. 6,5 Mio. € wollen die Bundesforste bis 2027 in eine Erhöhung ihrer Erntekapazitäten im Bergwald investieren und diese auf bis zu zwölf Seilgeräte auszubauen. „Das erhöht unsere Flexibilität und Schlagkraft bei der Holzernte – insbesondere nach Schadereignissen“, hielt Gruber fest.
Um den „Wald der Zukunft“ etablieren zu können, benötige es aber auch eine konsequente Bejagung. „Der Wildeinfluss muss so weit angepasst werden, dass artenreiche Naturverjüngung möglich ist. Dabei gilt die Devise: ,Vermarktung wo möglich, Eigenjagd wo nötig‘“, so der gebürtige Salzburger. Durch Förderung des natürlichen Nahrungsangebotes und gezielte Besucherlenkung sind die ÖBf auch bemüht, den Lebensraum wildgerecht zu gestalten. Auch Wildfütterungen werden eingesetzt – zur Wildlenkung und Äsungsentlastung. So verzeichnen sie nach einem Peak 2013 heute mit rund 18% die zweitniedrigste Quote am gesamten Leittriebverbiss seit über 20 Jahren.
Holzmarkt drehte sich
„Zu Jahresbeginn 2025 haben alle in der Branche einen hohen Schadholzanfall erwartet, und auch die Wirtschaftslage sorgte zunächst für wenig Optimismus beim Holzverkauf“, erinnerte sich Gruber. Aber dann sei zur richtigen Zeit der Regen gekommen, größere Schadholzmengen blieben aus, die Holznachfrage habe angezogen, Sägerundholz sei im Herbst sogar knapp geworden – und der Holzpreis stieg. Heimische Zellstofferzeuger profitierten vom Ausfall mancher schwedischer Mitbewerber und fragten auch Industrieholz gut nach. Einzig die Plattenindustrie hatte zu kämpfen wegen der fortgesetzten Flaute am Bau. „Unsere langjährigen Holzkunden konnten wir bei all dem verlässlich mit Holz versorgen“, fügte Gruber hinzu.