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Gelungener Waldumbau vom Fichtenreinbestand zum dauerwald-artigen Mischbestand. © Andreas Schreyer

Prosilva-Exkursion

„Waldumbau für die Zukunft - was sonst?"

Ein Artikel von Andreas Schreyer, Forstdirektor Herzoglich Sachsen-Coburg und Gotha’sche Forstverwaltung Greinburg | 14.01.2026 - 09:54

Diplom-Forstwirt Andreas Schreyer verantwortet seit mehr als zwei Jahren die österreichischen Flächen der herzoglichen Familienstiftung Sachsen-Coburg und Gotha. Er stellte den Betrieb vor, bevor die Exkursionsgruppe zu den sehr abwechslungsreichen Exkursionspunkten im Wald aufbrach. Bei den Waldflächen handelt es sich um mehrere tausend Hektar im oberen Mühlviertel, in Oberösterreich und im Karwendeltal in Tirol. Die Flächen befinden sich seit über 200 Jahren im Familienbesitz und tragen maßgeblich zur Erhaltung der Schlösser Greinburg und Callenberg bei. 1996 und 2001 wurden größere Waldflächen in Thüringen restituiert. Diese gehörten zu dem früheren Stammbesitz des Hauses Sachsen-Coburg und Gotha.

Borkenkäfer in ganz Mitteleuropa
Die Bilanz der vergangenen sechs Jahre in Thüringen ist verheerend. Rund 20% der Waldfläche sind in Thüringen vom Borkenkäfer regelrecht weggefressen worden. Große Waldflächen in ganz Mitteleuropa fielen in den vergangenen Jahren dem Käfer zum Opfer (etwa im Harz, in Thüringen, Südtirol, Osttirol, Kärnten, Niederösterreich oder der Steiermark). Leider war ein Teil der Flächen der herzoglichen Familienstiftung in Thüringen auch von diesen Schadholzmengen betroffen und somit entwickelte sich eigentümer- und forstpersonalseitig eine sehr große Sensibilisierung im Hinblick auf zukünftige resilientere Waldbestände.
Schloss Greinburg (im Bezirk Perg in Oberösterreich) ist der Sitz der österreichischen Forstverwaltung der herzoglichen Familienstiftung. Von hier aus werden die Besitzungen in Oberösterreich und in Tirol bewirtschaftet und verwaltet. Das Betriebsgebiet der Forstverwaltung Greinburg liegt zwischen 230 m Seehöhe in Grein und rund 1.100 m Seehöhe im Raum Liebenau. Die mittlere Seehöhe beträgt rund 800 m, die Jahresdurchschnittstemperatur derzeit in Grein etwa 8,5°C, in Liebenau dagegen nur 4,8°C. Die Durchschnittsmenge an Niederschlag liegt bei rund 900 mm/Jahr.
Die Inventur aus dem Jahr 2015 weist eine Baumartenverteilung von etwa 92% Fichte, 4% Buche und Bergahorn, 3% Tanne sowie 1% Lärche und Kiefer aus. Der hohe Fichtenanteil ist in erster Linie auf die jahrzehntelange, teils großflächige Kahlschlagwirtschaft bis in die 1950er-Jahre (Trift bis 1938, russische Besatzungszeit) zurückzuführen, wodurch die Mischbaumarten Buche, Tanne, Bergahorn weitgehend verschwunden sind.

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Die ehemalige Altersklassenwaldbewirtschaftung führt zu größeren Freiflächen mit schwierigen Startbedingungen für die neue Waldgeneration. © Andreas Schreyer

Alte Konzepte, neue Wege
Die ersten beiden Exkursionspunkte führten vor Augen, wie der Forstbetrieb bisher als Fichtenaltersklassenwald bewirtschaftet worden ist. Das alte Konzept startete mit einer flächigen Nutzung des Altbestandes – unabhängig, ob die Fläche verjüngt oder nicht verjüngt war. Nach einer mehrjährigen Schlagruhe wurde die Fläche für die Fichtenaufforstung „vorbereitet“. Teilweise wurden neben den vorwüchsigen Fichten sogar die Mischbaumarten vor der Pflanzung entfernt. Nachdem 1.600 bis 1.700 Stück Fichten im Pflanzverband 2,5 mal 2,5 m gesetzt worden waren, erfolgte nach einer Jungbestandspflege (Stammzahlreduktion) eine starke Erstdurchforstung. Nach einer weiteren Durchforstung wurde oftmals schon die Verjüngung im Rahmen einer starken Vorlichtung eingeleitet und dann als letzte Maßnahme der gesamte Restbestand genutzt. Aufgrund der negativen Erfahrungen in Thüringen (hohe Fichtenschadholzmengen) und den prognostizierten klimatischen Veränderungen entschied sich der Eigentümer, einen neuen forstlichen Weg einzuschlagen. 
Der Betrieb arbeitet seitdem auf eine möglichst naturnahe und klimawandelangepasste Waldgesellschaft hin. Alle Maßnahmen sind darauf ausgerichtet, dauerwaldartige Strukturen zu schaffen. Zur Erreichung dieses Zieles wird gänzlich auf Kahlschläge, Flächenräumung, systematische Stammzahlreduktion oder Pestizideinsatz verzichtet. Gezielte Eingriffe sollen die horizontale- und vertikale Struktur verbessern, wobei kleinflächige, kaum sichtbare Eingriffe bevorzugt vorgenommen werden und eine große „Natur-Beunruhigung“ vermieden werden soll.
Diese „neue“ Bewirtschaftungsform der kleinflächigen Verjüngungseinleitung wurde im nächsten Bestand vorgestellt: Dort, wo in der Vergangenheit der gesamte Altbestand geräumt worden wäre, steht jetzt ein zweischichtiger Fichtenaltholzbestand mit einer heranwachsenden Verjüngung beziehungsweise zweiten Schicht. Ganz wichtig hierbei ist, dass die Maßnahmen nicht schirmschlagartig, sondern schlitzartig durchgeführt werden. Einerseits wird der Altbestand damit nicht mehr als nötig destabilisiert und andererseits kann sich die ankommende Fichtennaturverjüngung aufgrund der unterschiedlichen Belichtungsverhältnisse nicht auf der gesamten Fläche gleichmässig etablieren.
Gleichzeitig werden vorkommende Laubbaumarten und die Tanne durch gezielte Eingriffe unterstützt. Bäume aller Altersklassen sollen vor allem durch Naturverjüngung, Entfernen von Bedrängern und die Schaffung von Lichtschächten gestärkt werden. Bei dem hohen Anteil von rund 95% Fichte ist es jedoch unumgänglich, die gewünschten Mischbaumarten künstlich einzubringen.

Wege zu resilienten Waldbeständen in Zeiten des Klimawandels

  • mehrere Baumarten auf der gleichen Fläche 
  • die Struktur erhöhen (vertikal/horizontal)
  • Totholz anreichern (klimaangepasstes Waldmanagement Deutschland – https://www.klimaanpassung-wald.de/fileadmin/Projekte/2022/W%C3% 96SL/Kriterien.pdf)
  • Problem der vielerorts überhöhten Wildbestände lösen; „modernes Jagdmanagement“
  • qualifiziertes Personal auf der Fläche (RL und WA)
  • Zusammenarbeit mit qualifizierten und loyalen Unternehmern und Frächtern 
  • faire Partnerschaft mit den (lokalen) Holzabnehmern
  • Kostenwahrheit und regelmäßiges Betriebsreporting
  • Diversifizierung der Geschäftsbereiche
  • neue Geschäftsfelder finden und etablieren
  • aktive Öffentlichkeitsarbeit und Lobbying
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Tannenvoranbau im Fichtenreinbestand © Andreas Schreyer

Verbesserung der Struktur
Auf der nächsten Fläche wurde im Herbst 2024 die Tanne trupp- bis gruppenweise eingebracht (rund 500 Stück/ha). Es entfachte sich unter den Exkursionsteilnehmern eine rege Diskussion über die Notwendigkeit, den bestehenden Altbestandes bereits vor der Pflanzung oder erst danach aufzulichten, um die Tannen Verjüngung zu fördern. 
Zur Verbesserung der horizontalen und vertikalen Struktur sollten auch schon früh in den Durchforstungsbeständen die hierfür notwendigen Maßnahmen gesetzt werden. Neben den etwa 100 Z1-Bäumen (Abstand 8 bis 12 m) sollten in der Strukturdurchforstung weitere Z2- und Z3-Bäume ausgezeigt werden. Dieser Erstversuch im Betrieb wurde in dem nächsten Bestand bereits durchgeführt. Im Zuge dessen wurde auch die Notwendigkeit eines weiteren Rückegassenabstandes als bisher 20 m intensiv diskutiert. Andreas Schreyer erläuterte, dass bei der Neuanlage von Rückegassen ein Mindestabstand von 25 m – idealerweise sogar 30 m – verpflichtend vorgesehen ist. Er verwies dabei auf eine aktuelle Studie der Universität für Bodenkultur Wien (BOKU), die die Auswirkungen der unterschiedlichen Holzerntemaßnahmen auf den Boden untersuchte. Die Studie verdeutlicht, dass Bodenverdichtung durch Holzernte langfristige Auswirkungen auf die Bodenstruktur und die Bodenorganismen hat. Alte Rückegassen können jedoch als neue Lebensräume für Regenwürmer dienen und zur teilweisen Erholung beitragen. Eine nachhaltige Waldbewirtschaftung sollte daher Maßnahmen zur Minimierung der Bodenverdichtung priorisieren.

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Exkursionsgruppe in der Naturwaldzelle. © Andreas Schreyer

Der richtige Baumarten-Mix
Damit sich der Mischungsanteil der unterschiedlichen Baumarten schneller erhöht, werden zusätzlich heimische und zukunftsfähige Baumarten unterstützend gepflanzt. Das Artenspektrum reicht von Rotbuche, Berg-Ahorn, Weiß-Tanne, Lärche, Schwarz-Kiefer, Weiß-Kiefer, Trauben-Eiche bis hin zu Esskastanie, Roteiche, Riesentanne, Türkische Tanne, Douglasie, Dreh-Kiefer und Orient-Buche. Die Fichte ist zwar die dominierende Baumart, fungiert jedoch nicht länger als alleinige Leitbaumart; ihre Bestandeserneuerung soll zukünftig primär durch Naturverjüngung erfolgen.
Das Ziel ist es, durch die angeführten Maßnahmen den Mischbaumanteil der nächsten Baumgeneration auf 20% bis 25% zu steigern. Das letzte Exkursionsbild zeigt eine kleine „Naturwaldzelle“ aus einem 150 jährigen Bu-Fi–Ta-Wald mit flächiger Naturverjüngung. Alle Teilnehmer waren beeindruckt von dem natürliche Potenzial inmitten der Fichtenreinbestände.

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Gelungene Mischwaldverjüngung unter dem Altholzschirm. © Andreas Schreyer

Waldbauliche Entscheidungen
Die waldbauliche Entscheidung weg von Fichtenaltersklassenwäldern hin zu strukturreichen dauerwaldartigen Mischbeständen resultiert nicht nur aus ökologischen, sondern vor allem aus betriebswirtschaftlichen Aspekten. Selbst wenn im Altersklassenwald die Begründung mit einer geringen Stammzahl oder sogar aus Naturverjüngungspflanzen resultiert, bedarf diese Art der Bewirtschaftung immer noch eines arbeits- und kostenintensiven Pflegeaufwands (Stammzahlreduktion, Kulturpflegearbeiten), der bei der dauerwaldartigen Bewirtschaftungsform unter Zuhilfenahme des Altholzschirmes eingespart werden kann. Grundvoraussetzung hierfür ist ein dem Wald „verträglich“ angepasster Wildbestand. Baumartenreiche und strukturreiche Wälder unter bestmöglicher Ausnutzung der natürlichen Verjüngung erhöhen die Resilienz und senken somit das Risiko enorm. Die Auswirkungen des zukünftigen Klimawandels erfordern diese Anpassung der Wälder in Mitteleuropa.
Die Dauerwaldbewirtschaftung bringt laut einer Studie der Technischen Universität München (TUM) sowohl einen höheren wirtschaftlichen Ertrag als auch eine höhere wirtschaftliche Widerstandsfähigkeit als die Kahlschlagbewirtschaftung. Die wirtschaftliche Erholung aus der Störung im Dauerwaldsystem ist laut Studie zwischen 18,2% und 51,5% schneller als im Kahlschlagsystem. Dies führt zu Wertzuwächsen von 1.733 €/ha bis 4.535 €/ha. Der Vorteil des Dauerwaldes steigt mit dem Zinssatz und dem Bestandesalter und wird durch Unterschiede sowohl in der Struktur als auch in der wirtschaftlichen Rendite verursacht. Die Autoren dieser Studie kommen zu dem Schluss, dass kontinuierliche Dauerwaldbewirtschaftungssysteme helfen können, die wirtschaftlichen Auswirkungen zunehmender Störungen in der Waldbewirtschaftung zu bewältigen.
Eine weitere Studie der TUM zeigt, dass in ungleich alternden Wäldern mit dauerwaldähnlichen Strukturen die Störungsraten im Durchschnitt um 31,3% niedriger waren, die Störungen mit einer 36,3% geringeren Häufigkeit und die maximale Flächengrößen um 15,7% kleiner waren als in den umliegenden gleichalterigen Wäldern. 

Die Jagd wird herausfordernder

  • dauerwaldartige Strukturen nehmen im Wald zu, das erhöht Äsung und Deckung für das Wild und erschwert die Jagdausübung
  • attraktive Äsungsflächen nehmen auf großen Kalamitätsflächen zu 
  • Besucher-/Erholungssuchenderdruck nimmt von Jahr zu Jahr zu 
  • Stress für Wild vermeiden
  • Stress für das Wild nutzen (Schwerpunktbejagung, Ruhezonen)
  • Training (schnelles/sicheres Ansprechen, Schießtraining, Seminare (Anschuss, Pirsch,….))
  • modernde Jagdmethoden anwenden
  • Erweitern der Jagdmethoden (Krähenfüsse, Jagdschneisen, Kirrung (wenn erlaubt), mobiles Jagen (Aluleiter, Klettersitz)
  • Pirsch auf vorbereiteten Routen, Wärmebildspotter, Drohnenunterstützung
  • Bewegungsjagd (gut organisiert, gute Schützen, gute Hunde)
  • traditionelle Einzelansitzjagd auf großen Äsungsflächen ist nicht mehr zielführend
  • reine Trophäenjagd ist nicht zielführend (keine jagdlichen Hemmnisse/Restriktionen vorgeben) 
  • Fazit: Effizient und modern jagen im und für den Wald

Keine Wunderlösung erwarten
Zusammenfassend deuten diese Ergebnisse darauf hin, dass eine ungleichmäßige Bewirtschaftung die Zunahme natürlicher Störungen in mitteleuropäischen Wäldern teilweise ausgleichen kann. Die Autoren warnen jedoch auch, dass ungleichmäßige Altersbewirtschaftung keine Wunderlösung für das Management von Waldveränderungen ist und weisen darauf hin, dass angepasste Waldbewirtschaftungsansätze auf lokale Bedürfnisse und Bedingungen zugeschnitten sein sollten:

  • Trockenheit und Extremwetterereignisse (Klimawandel) machen den Bäumen immer mehr zu schaffen (explosionsartige Vermehrung des Borkenkäfers (hochrisikoreich mit einer BA zu arbeiten (Dürre, Temperatur, geringe Niederschläge, Feuer).
  • Neue Bäume braucht die Forstwirtschaft: Die Fichte in Monokultur wird in der Zukunft auf den meisten Standorten nicht überleben.
  • Gerade in Zeiten des Klimawandels weiß niemand ganz genau, in welche Richtung der „Klimawandel“ abbiegt. Aus diesem Grund kann ein Wald nicht aus zu vielen Baumarten bestehen.
  • Konsequente Bejagung ist notwendig, vielerorts sind die wirtschaftlichen Verluste durch zu hohe Wildbestände viel zu hoch und ökologisch untragbar.
  • Der Weg zum naturgemäßen Waldbau: Die Naturverjüngung durch herabfallende oder angeflogene Samen nutzen, vereinzelte Ergänzung durch die gezielte Pflanzung neuer klimaresistenter Baumarten.
  • Alte Bäume werden aus der Nutzung genommen (5 Stück/ha): alte und zersetzende Bäume sind Lebensraum für Käfer und Pilze; verrottende Holzkörper speichern Wasser und Winterfeuchtigkeit (bis zu 4–6° kühler).
  • Naturgemäßer Waldbau bedeutet: Es steht immer Wald unter Wald (eine Schicht unter der anderen). Wenn eine Schicht ausfällt, ist die nächste Schicht schon vorhanden, was das Betriebsrisiko stark absenkt.
  • Wildmanagement nimmt 20–25% der Arbeitszeit ein, es besteht jedoch nicht aus einer Trophäenjagd (-hege). 
  • Durch die Jagd werden keine Einnahmen erzielt: Jagd ist eine Dienstleistung am Grundeigentum und sie ist ein Handwerk, das geübt sein muss!

Andreas Schreyer sorgt sich um den zukünftigen nachhaltigen Familienbetrieb und möchte ihn in die nächsten Generationen führen.

Literatur

Mohr, J., Thom, D., Hasenauer, H., Seidl, R.: Are uneven-aged forests in Central Europe less affected by natural disturbances than even-aged forests? Forest Ecology and Management. 2024; 559. https://doi.org/10.1016/j.foreco.2024.121816

Behringer, M., Koestel, J., Muys, B., Wriessnig, K., Bieringer, M., Schlögl, M., Katzensteiner, K.: A long road to soil health restoration: earthworms and soil structure show partial recovery in 18-year-old forest skid trails. Soil Biology and Biochemistry. 2025; 210. https://doi.org/10.1016/j.soilbio.2025.109953