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ProSilva-Exkursion im Bayerischen Buchenwald © Eckart Senitza

Baysf

Buchenwaldbau in Bayern

Ein Artikel von Franz Reiterer, Reiterer Forstbüro | 03.03.2026 - 07:14

Die Bayerischen Staatsforsten (BaySF) sind seit nunmehr vielen Jahren ein waldbauliches Impulszentrum. Klimaanpassung und Ertragsoptimierung waren vor mehr als einem Jahrzehnt wesentliche Motive zur Einführung gesamtbetrieblicher Waldbaukonzepte. Angestrebt werden standortsgemäße, naturnahe, stabile und leistungsfähige Mischwälder. Vielfach sollen standortsfremde, schadensanfällige Altersklassenwälder zu stabilen und artenreichen Dauerwäldern weiterentwickelt werden. Strukturreiche Wälder sind anpassungsfähiger gegenüber der Klimaänderung und zeigen ein hohes Regenerationspotenzial bei Störungen.
Mischwälder reduzieren das Risiko: das sogenannte Vier-Baum-Konzept der BaySF besagt, dass grundsätzlich vier passende Baumarten je Teilfläche vorkommen sollen. Vielerorts wird die Naturverjüngung mit Mischbaumarten angereichert. 
Schauplatz der Exkursion war der Forstbetrieb Landsberg am Lech, der zu Beginn von Betriebsleiter Robert Bocksberger vorgestellt wurde. Der etwa 15.000 ha große Betrieb liegt im tertiären Hügelland Bayerns, etwa eine Autostunde westlich von München. Mit rund 148.000 fm Jahreseinschlag und somit einer Nutzungsintensität von 10 fm/ha ist es einer der ertragsstärksten Betriebe der BaySF. Den waldbaufachlichen Teil präsentierte Michael Hollersbacher, der als Waldbauspezialist an der Entwicklung des Buchenkonzepts mitgewirkt hat. 

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© BaySF

Inhaltliches Konzept
Ziel ist die Schaffung mischbaumarten- und strukturreicher Bestände. Das Konzept ist gegenüber dem früher üblichen Kahlschlagbetrieb durch Zuwachsoptimierung und erhöhter Resilienz wirtschaftlich überlegen. Es sind überdies naturschutzfachliche Überlegungen eingeflossen. Schließlich waren volatile Holzmärkte Anlass für die Strategieänderungen. Bei der Konzeptentwicklung wurde die waldwachstumskundliche Expertise von Prof. Hans Pretzsch hinzugezogen. Anhand von Beispielsflächen, die auch der innerbetrieblichen Schulung dienen, wurde das Behandlungskonzept besichtigt.


Entsprechend der waldbaulichen Eingriffe im Altersverlauf ist das Konzept gegliedert in

  • Jungbestandspflege (JP)
  • Jungdurchforstung (JD)
  • Altdurchforstung1 (AD1)
  • Altdurchforstung2 (AD2)
  • Verjüngungsnutzung (VJN)

Jungbestandspflege: Es beginnt auf leistungsfähigen Standorten bei Oberhöhe (OH) bis 12 m mit der Jungbestandspflege. Der Handlungsbedarf leitet sich vom Ziel ab: am Ende dieser Entwicklungsphase sollen 100 bis 150 gut geformte, wipfelschaftige, gesunde Bäume je Hektar in günstiger räumlicher Verteilung vorhanden sein. Die Mischwuchsregulierung hat hier oberste Priorität. Sind genügend vitale, qualitativ befriedigende Kandidaten in geeigneter Mischung und günstiger räumlicher Verteilung vorhanden, ist kein Eingriff nötig. Qualitativ hochwertige Mischbaumarten können geastet werden. In größeren, unübersichtlichen Beständen werden zur Gliederung Pflegepfade im Abstand von 30 m angelegt.

Jungdurchforstung: Bis zum Erreichen einer Oberhöhe von rund 17 m sollen je Hektar 100 Elitebaumanwärter etabliert sein. Das sind stabile, qualitativ hochwertige Bäume in passender Mischung und Verteilung. Die Elitebaumanwärter werden mittels Farbband markiert. Die Förderung erfolgt im Rahmen einer gezielten Auslesedurchforstung durch Entnahme der ein bis zwei stärksten Bedränger. Der Entnahmesatz beträgt maximal 30 Efm (inklusive Feinerschließung 45 Efm) je Hektar. Der Zwischen- und Unterbestand wird geschont. 

Altdurchforstung: Die Altdurchforstung ist in zwei Durchforstungsphasen mit definiertem Eingriffsziel aufgeteilt: 

  • AD1, Oberhöhe 17 – 25 m; Durchmesserförderung an 100 Elitebäumen je ha
  • AD2, Oberhöhe 25 – 30 m; Durchmesserförderung an 50 Elitebäumen je ha

Zum gezielten Kronenausbau werden die ausgewählten Elitebäume im Rahmen der Lichtwuchsdurchforstung umlichtet. Bei ein bis zwei AD1-Eingriffen werden jeweils maximal 60 Efm/ha entnommen. In der AD2 werden bei einer Entnahmemenge von maximal 80 Efm/ha nur noch 50 Elitebäume umlichtet, die letztlich die Zielstärke von mindestens 65 cm Brusthöhendurchmesser (BHD) erreichen sollen. 

Verjüngungsnutzung: Durch eine lange Verjüngungsphase mit differenzierten lichtökologischen Verhältnissen werden kleinflächig strukturierte, ungleichaltrige, mischbaumartenreiche Bestände erzielt. Unter Belassen von Dunkelfeldern erfolgt die femelartige Einleitung der Verjüngung. Es gibt punktuell bereits die Zielstärkennutzung von Elitebäumen ebenso wie auch noch die Umlichtung von Elitebäumen. Wesentlich ist die frühzeitig einsetzende, jedoch mehr als 60 Jahre andauernde Verjüngungsphase. Dabei wird ein Vorratskorridor von 350 Efm/ha (auf Spitzenstandorten bis 400 Efm/ha) eingehalten. Der laufende Zuwachs wird dezennal mit ein bis zwei Eingriffen zu maximal 80 Efm/ha abgeschöpft. Für ertragsschwächere Standorte sind niedrigere Richtwerte je Wuchsphase definiert. Die Verjüngung erfolgte grundsätzlich femelartig. Bisweilen erfolgt auch die Pflege unter Schirm. 

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Positive Auslese durch Markierung von Elitebaumanwärtern in Jungbeständen © Eckart Senitza

Eine forstliche „Standard Operation Procedure“
Das Buchenwaldbaukonzept ist gesamtbetrieblich vereinheitlicht. Dies erforderte eine genaue Benennung der waldbaulichen Eingriffe. Die Fachbegriffe haben offenbar die befassten Mitarbeiter verinnerlicht, wie man sich in der Diskussion überzeugen konnte. Begriffe wie JD, AD2 und so weiter werden einheitlich verwendet, sodass jeder weiß, wie die Maßnahme umzusetzen ist. Jede Person in der Produktionskette weiß, was unter Elitebaumanwärter zu verstehen ist. PUS ist etwa die Pflege unter Schirm – und jeder weiß, was gemeint ist.
„Worin besteht nun der Unterschied zu Wilhelms Q/D-Verfahren?“, erging als Diskussionsbeitrag und Frage an den Vortragenden. Das Konzept „Qualifizieren / Dimensionieren“ sei ein Schwachholzvermeidungskonzept zur Laubwertholzproduktion.  Bei den BaySF liege hingegen die Optimierung des bestandesweisen Gesamtzuwachses im Fokus. „Folglich sind dies gänzlich unterschiedliche Laubholzbewirtschaftungskonzepte“, führte Waldbautrainer Hollersbacher aus. Die Bayerischen Staatsforsten verfügen somit mit ihrem Waldbauhandbuch, bestehend unter anderem aus „Fichtenrichtlinie“ (100-Baum-Konzept), „Buchenrichtlinie“, „Kiefernrichtlinie“ „Pflegerichtlinie“ und „Bergwaldrichtlinie“, ausgefeilte und erprobte Konzepte für die naturale Produktion. Standardisierte Arbeitsprozesse erleichtern die Zielerreichung. Dies gilt für alle Produktionsprozesse. In der Industrie ist das Kürzel SOP etabliert und steht für Standard Operation Procedure. Standardisierte Arbeitsabläufe sind somit auch im Waldbau Grundlage des Erfolges.

Webtipp: baysf.de/klimawald/waldbau-waldumbau/