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Einfache Maßnahmen gegen Schneegleiten im Objektschutzwald: Gleitschutzböcke im Flächenwirtschaftlichen Projekt Oberdrum/Oberlienz in Zusammenarbeit mit der Gebietsbauleitung der WLV. © Land Tirol – Bezirksforstinspektion Osttirol

INTERVIEW MIT JOSEF FUCHS UND ERICH GOLLMITZER

Entblößter Boden im Heiligen Land

Ein Artikel von Robert Spannlang | 22.01.2024 - 10:58

Kalamitäten im Jahresrhythmus, der Käfer auf 2000 m Höhe und keine Bäume mehr im Schutzwald: Wie sich das anfühlt für die forstlich Verantwortlichen an vorderster Front, war in der Forstzeitung 07/2022, S. 10 zu lesen. Nach einem Update zur Situation gehen wir nun der Frage nach, wie sich die Forstberatung darauf eingestellt hat.

Wie ist die aktuelle Forstschutz-Situation in Osttirol?
Erich Gollmitzer (EG): Es waren in Osttirol Kalamitäten großen Ausmaßes in drei aufeinanderfolgenden Jahren – 2018, 2019 und 2020. So etwas trifft normalerweise mit einer Wahrscheinlichkeit ein, die in der Nähe eines Lottogewinns liegt. Das hat es davor noch nie gegeben und war auch nicht vorhersehbar. Dabei sind wir – so wie 2008 bei Emma und Paula – mit der Schadholzaufarbeitung zunächst gut zurande gekommen. Damals hatten wir so gut wie keinen Käferbefall. Neu für uns war, dass aufgrund der unglaublichen Mengen an Schneebrüchen mit bruttauglichen Wipfel- und Astmaterial 2021 die Borkenkäferwucht voll über Osttirol hereingebrochen ist. Gemeinsam mit den Forstschutzreferenten des Landes haben wir Forstschutzkonzepte ausgearbeitet. In jenem für 2021 und zu Beginn 2022 haben wir noch auf vollflächige Bekämpfung abgezielt. Wir haben alle uns zur Verfügung stehenden Mittel der Schädlingsbekämpfung ergriffen, unterstützt von der BOKU und insbesondere vom BFW in Person von Dr. Gernot Hoch: 4000 Trinet aufgestellt, an 300 Stellen Fangvorlagen mit insgesamt rund 10.000 fm Frischholz vorgelegt, Hubschraubereinsätze durchgeführt. Wir haben aber erkennen müssen, dass der Käfer so nicht mehr in den Griff zu kriegen war. 2023 haben wir das Forstschutzkonzept dann so ausgerichtet, dass Objektschutzwälder klar priorisiert werden. Abgelegenere Standortschutzwälder und Wirtschaftswälder haben wir zurückgestellt.

Was hat die Wälder im besonders befallenen Defereggen- und im Villgratental so stark exponiert?
EG: Die Bestände dort sind besonders alt – bis etwa 250 Jahre. Das hat mit einer etwas „sparsamen“ Bewirtschaftung durch bäuerliche Waldbesitzer zu tun. Die Trockenjahre 2021 und 2022 haben gerade auf den Sonnseiten der Täler eine Borkenkäfergradation verheerenden Ausmaßes begünstigt – mit vollflächigen Ausfällen.

Welche Maßnahmen bleiben einem da noch?
EG: Wir haben gelernt, mit der Situation umzugehen. Wir hatten im Vorjahr bereits einen Rekordeinschlag, 2023 wieder. Wir stehen für 2023 derzeit bei 900.000 fm – bei einem Hiebsatz von 230.000 fm.
Josef Fuchs (JF): Wir haben auch die Borkenkäfer-Früherkennung am stehenden Holz verstärkt. Dazu haben wir – erstmalig in Österreich – von allen Bezirksforstinspektionen und Waldaufsehern im großen Stil Personal nach Osttirol entsandt – 111 Personen, die etwa 6.000 Arbeitsstunden geleistet haben. Dabei lagen wir in den kritischen Monaten Mai, Juni 3°C über der Durchschnittstemperatur und hatten um etwa ein Drittel mehr Sonnenscheinstunden – bei nahezu der Hälfte der üblichen Niederschläge. Der Käferbefall erfolgte also trotzdem explosionsartig. Das führte zu der bereits angesprochenen Priorisierung. Diese wurde auch mit der Wildbach- und Lawinenverbauung (WLV) abgestimmt. Unsere begrenzten Kapazitäten – Forstunternehmer und zur Verfügung stehende Budgets – mussten zielgerichtet eingesetzt werden.

Die Witterung war aber 2023 viel besser...
JF: Ja. 2023 waren wir sehr zuversichtlich, weil es zunächst den Anschein hatte, dass durch die kühle und feuchte Periode im Mai und Juni der Käfer verpilzen würde. Das trat aber leider nicht ein: Der Sommer sowie der September und Oktober waren nämlich wieder zu trocken. An 59 Stellen wurden Pheromonfallen zum Monitoring aufgestellt, die wöchentlich entleert werden. Das Ergebnis ist, dass wir 2023 einen um 72% höheren Käferbesatz haben als 2022. Der Höhepunkt ist also auch 2023 noch nicht überschritten.

Derartige Gradationen in diesen Seehöhen sind ja eine völlig neuartige Erscheinung...
JF: Völlig neuartig, ja! Der meiste Käferbefall trat zwischen 1.500 m und 1.700 m auf, aber es gab sogar Käfer auf über 2.000 m! Das zeigt einfach das Ausmaß der klimatischen Veränderungen! Die Geschichte der Borkenkäferentwicklung muss schlicht neu geschrieben werden, vor allem aufgrund der Erfahrungen in Osttirol.

Ich hatte das Gefühl, am liebsten würden sie mir ihren Schutzwald um die Ohren hauen!


Erich Gollmitzer, Leiter Bezirksforstinspektion Osttirol
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Erich Gollmitzer, Leiter Bezirksforstinspektion Osttirol © Land Tirol – Bezirksforstinspektion Osttirol

Warum ist gerade Osttirol so stark betroffen?
EG: 700.000 fm hat der Sturm Vaia in Osttirol Ende Oktober 2018 geworfen. Dieses Holz wurde aufgearbeitet. Im November 2019 hat es den ersten massiven Schneebruch gegeben – mit nahezu derselben Menge. Auch hier wurde wieder alles aufgearbeitet, aber viele sehr verstreut stehen gebliebene Bäume hatten ihre Wipfel am Boden liegen – ideales Brutmaterial. Da wird auch die Koordination der Erntemaschinen schwieriger. Und dann im Folgejahr 2020 hatten wir noch einmal dasselbe. Die geschwächten Bestände, die wir schon „aufgeräumt“ hatten, hatten nun eine Vielzahl von „stehenden Fangbäumen“, die wir nicht mehr alle entfernen konnten. Verschärft wurde diese Situation noch durch den Lockdown. Dabei hätten wir gerade in dieser Zeit auswärtige Forstunternehmer besonders dringend gebraucht, weil die fünffache übliche Einschlagmenge aufzuarbeiten gewesen wäre.
JF: Aber das ist nicht allein ein Osttirol-, sondern ein Südalpen-Phänomen. Es waren ja Südtirol und Oberkärnten genauso betroffen. Wir hier haben jedenfalls alle Möglichkeiten ausgeschöpft. Zum einen, was die Nutzung und Verwertung des Schadholzes, zum anderen, was die Erhaltung und Wiederherstellung der Schutzfunktion betrifft –  etwa durch hohe Abstockung und Querfällung und durch einfache technische Maßnahmen wie Dreibeinböcke und Steinschlagnetze. In den letztgenannten Maßnahmen wurden allein im Rahmen der Flächenwirtschaftlichen Projekte des Landesforstdienstes bis heute rund 1,3 Mio. € investiert.

Wie kann man bei so knapp aufeinanderfolgenden Katastrophen die Motivation im Team aufrechterhalten?
JF: Ja, hier sind alle physisch und mit ihrer Motivation an ihre Grenzen gelangt. Wir haben personell von den Waldaufsehern aufwärts bis zum Landeshauptmann-Stellvertreter Josef Geissler durch Veranstaltungen vor Ort und natürlich auch finanziell mobilisiert, um den Osttirolern zu zeigen: Ganz Tirol steht zu euch!
EG: Genau so war das! Wir haben dann Frühjahr 2022 mit voller Motivation diese Aktion Früherkennung gestartet, und im Juli haben wir gesehen, der Käfer überrollt uns. Da erlebten wir alle einen Motivationstiefpunkt – Forstpersonal und Waldbesitzer gleichermaßen. Das vorrangige Aufarbeiten von Frischbefall, der Früherkennung nachzugehen, war wie ein Kämpfen gegen Windmühlen. Wir haben aber immer – das war mir besonders wichtig – einen Fokus auf die Wiederbewaldung gelegt. Wir haben in einem gemeinsamen Kraftakt mit dem Osttiroler Landesforstgarten riesige Flächen mit über einer Million Forstpflanzen pro Jahr wiederbewaldet. Dabei hat die Fichte nur mehr einen Anteil von knapp über 50%. Die übrigen sind schon klimafitte Baumarten. Und genau das hat uns aufgerichtet und genau das ist auch schon in der Bevölkerung bereits angekommen. In manchen Wirtschaftswäldern, etwa in Dölsach, die wir nicht bearbeitet haben, gibt es Naturverjüngung und andernorts Aufforstungen aus 2019, die teilweise schon raumhoch ist. Das gibt Kraft, das lässt hoffen! Die Rückmeldung bei der Jahresabschluss-Dienstbesprechung mit der ganzen BFI-Mannschaft war: Trotz der enormen Arbeitsleistung im heurigen Jahr gibt es wieder Zuversicht! Wir hoffen, dass wir den Kulminationspunkt schon überschritten haben. Die Motivation auch bei den Waldbesitzern geht wieder nach oben. Ich hatte vorher das Gefühl, am liebsten würden sie mir den Schutzwald um die Ohren hauen! Und das hör‘ ich jetzt nicht mehr. Allerdings hat das Fördersystem des Landes Tirol in Kombination mit der Abgeltung der Katastrophenschäden aus dem Katastrophenfonds sehr gut gegriffen! Da haben unsere Waldbesitzer gemerkt: „Wir werden nicht im Stich gelassen.“ Weiters ist durch die Bereitstellung von Personal – auch finanziert mit Mitteln des Waldfonds – in der Beratung sehr viel gelungen.

Können Sie konkrete Beispiele anführen?
EG: Wir haben den Talboden von Lienz, wo wir traditionell eine intensivere Waldwirtschaft und mehr Struktur und Baumarten in den Wäldern haben. Dort sehen wir, dass unsere Beratung sehr fruchtbar war. Wo die Wälder noch einförmiger sind – Osttiroler Gailtal,  Ober-/Untertilliach, Kartitsch, Villgratental, Oberes Defereggental –, dort war es wesentlich schwieriger. Bei den Waldbesitzern dort gibt es ein Umdenken, weil sie sehen, dass es woanders besser geht. Wir geben nicht auf! Wir forsten im Jahr 600 ha auf und das im überwiegenden Teil im Objektschutzwald, hinter den Häusern und oberhalb von Straßen, und das ist für alle sichtbar! Eine Bürgermeisterin hat das zum Inhalt einer gut besuchten Gemeindeversammlung gemacht und hat mich als Referent eingeladen. Ich konnte den Menschen wieder Mut machen und hab viele positive Rückmeldungen erhalten. Das motiviert weiter!
JF: Wenn ich diese Erfahrungen von Osttirol auf Nordtirol umlege, kann ich sagen: Wir haben alle viel gelernt. Nach den Stürmen 2023 hatten wir bereits einen Waldgipfel im August und einen im November, wo die Politik vom Minister über den Landeshauptmann und die Sozialpartner bis zu den Sägern, Jägern und Landarbeitern dabei ist. Dort wird das klare Signal gegeben: Wir erkennen die Probleme und tun alles Menschenmögliche. Freilich gibt es auch Schäden auf unbringbaren Lagen, wir dürfen dabei keine Menschenleben gefährden.

Macht so eine Krise den Job des Beraters leichter?
EG: Na ja, auch die Motivation der Berater war 2022 an einem Tiefpunkt. Das hat sich aber 2023 wieder klar verbessert. Wir haben den Anteil der aufgeforsteten Tannen im Vergleich zu vorher mehr als verdoppelt. Die Leute lassen sich also wieder auf die Beratung ein, die Waldbesitzer lassen ihren Fatalismus hinter sich. Sie haben junge Förster aus Nordtirol bei sich gehabt, die sie vorher noch nicht gekannt hatten. Und die waren sich auch nicht zu gut, Trinet-Gestelle den Berg hinaufzutragen, das hat schon Eindruck gemacht. Oft haben wir Osttiroler ein wenig das Gefühl, am Rand zu stehen. Das hat vielleicht auch damit zu tun, dass wir eine absolute Randlage Tirols darstellen. Aber durch diese Einsätze hat sich ein tolles Miteinander gebildet – mit den Nordtiroler Kollegen, aber auch mit den Vertretern der BOKU und des BFW. Allein dieses „Borkenkäfer KO“-Projekt zur Verbesserung der Logistik hat dazu geführt, dass über die Vermittlung des Peter Konrad (Obmann Forstunternehmerverband, Anm.) plötzlich Unternehmen zu uns gekommen sind. Auch im Ministerium – Johannes Schima. Überall wurde so gearbeitet, dass wir das Gefühl hatten, das kommt wirklich bei uns an im Bezirk, in der Gemeinde. Dieses Zusammenrücken war spürbar! Seither fällt es mir viel schwerer, auf unsere Tiroler Zentralstelle zu schimpfen! (lacht)
JF: Anfangs gab es auch bei meinen Leuten Widerstände, für mindestens zwei Wochen nach Osttirol zu gehen. Heute möchte diese Erfahrung niemand mehr missen! Auch, weil jeder weiß: Das kann auch in Nordtirol geschehen! 

Sie haben also den Fichtenanteil auf den Kalamitätsflächen markant gesenkt, den der Tanne markant angehoben. Man hat wohl die Losung ausgeben: „Jede Krise ist auch eine Chance. Nutzen wir diese für einen beschleunigten Waldumbau“?
EG: Genau! Wir haben in unseren lokalen Medien genau darauf hingewiesen. Das predigen wir ja schon seit Jahren. Und Waldbesitzer, die vorher beratungsresistent waren, haben das quasi von einem Tag auf den anderen angenommen. Was sich bei uns in der Beratung geändert hat: Diese extrem kleinflächigen Nutzungen, die wir vorher propagiert haben – ich selbst bin ein absoluter Fan vom naturnahen Waldbau – funktionieren, aber nicht in diesen überalterten, vollflächigen Bereichen. Wir gehen dort hin zu einem größeren Betrachtungsrahmen, der den raschen Bestandesumbau tatsächlich begünstigt. 
JF: Tirolweit ist der Fichtenanteil bei den Aufforstungen 2023 auf 46% gesunken, in manchen Bezirken ist er jetzt sogar auf unter 20%. Programme wie „Klimafitter Bergwald“ brauchen eben Zeit, bis sie in den Köpfen ankommen. Wir haben dazu natürlich auch Schulungsprogramme gestartet: Welche Mischbaumarten eignen sich wo? Wie setze ich sie richtig? Wie pflege ich sie? Beim Laubholz hinken wir in Tirol natürlich hinten nach. Da helfen uns auch die Kärntner Kolleg*innen ganz stark. Wir schulen die Waldaufseher, und die tragen das dann nach außen an die Waldbesitzer.

Konnte man in der Krise auch aus Fehlern lernen?
EG: Selbstkritisch muss ich sagen: Der Holzfluss war ein Problem. Teilweise mussten wir froh sein, wenn uns die Säge das Holz überhaupt abgenommen hat. Und die Klassifizierung fiel dann oft zu unseren Ungunsten aus. Da werde ich 2024 einen Schwerpunkt setzen, auch in der Forstberatung. Das setzt jetzt gut auf den Schwerpunkt 2023 „Digitale Mengenerfassung, digitale Lieferscheine“ auf. Die Sortimente sind nach solchen Kalamitäten ohnehin schlechter. Aber ich bin mir sicher: Da ist zusätzlich viel auf der Strecke geblieben. Wir müssen unsere Leute schulen: Wie vermarkte ich mein Holz optimal? Mengen- und qualitätsmäßig, Nutz- und Brennholz getrennt oder gemeinsam. Das müssen wir vertiefen.
JF: Ich kann ab 2024 eine neue Stelle besetzen, die sich genau diesem Thema widmet: Holzvermarktung, Holzlogistik, Nasslager, Holzfacharbeiterausbildung.

Man kann also sagen: Die Forstberatung hat im Hinblick auf Aufforstungen, auf Logistik, aber auch auf Vermarktung durch die Krise eine neue Chance erhalten, richtig?
EG: So ist es! Diese Chance nehmen wir auch sehr aktiv wahr! Wir haben das als Chance erkannt und stoßen hier auch intensiv nach. Ich bin froh für Initiativen, die hier aus Innsbruck kommen. Die Klimafit-Geschichte ist nun mehrfach mit Fakten hinterlegt und wir rennen jetzt offene Türen ein. Das heißt: Wir haben diesen Ball aufgenommen, da gelingt jetzt momentan einiges. Das ist tatsächlich diese Chance, die in der Krise liegen kann.

Das Waldaufsehersystem in Tirol hat sich in der Krise bewährt.


Josef Fuchs, Landesforstdirektor Tirol
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Josef Fuchs, Landesforstdirektor Tirol © Land Tirol – Bezirksforstinspektion Osttirol

Welchen Stellenwert hat hier das Waldaufsehersystem in Tirol? Hat es sich bewährt?
JF: Extrem, ja! Ohne Waldaufseher wären wir hier heillos überfordert gewesen. Wenn ich das etwa mit der Situation in Südtirol oder in Kärnten vergleiche, sind wir hier meilenweit voraus. Das Waldaufsehersystem hilft uns, den direkten Bezug zur Gemeinde und natürlich zu den Waldbesitzern und zu den Partnern im Tourismus zu finden. Wenn es nach mir ginge, sollte man das Tiroler Modell auf ganz Österreich ausrollen.
EG: Ich hatte bisher 27 Exkursionen mit Kollegen- und Fachgruppen, die sich die Osttiroler Situation angesehen haben, und habe viel Anerkennung geerntet. Viele Besucher bestätigten: „Das alles ist nur möglich mit dem Waldaufsehersystem.“ Den Kollegen des Kärntner Landesforstdienstes ist beispielsweise trotz ihres unglaublichen Einsatzes aufgrund dieser fehlenden Struktur regional ein größerer Erfolg bei der Borkenkäferbekämpfung verwehrt geblieben. Die einzige Schwäche des Waldaufsehersystems ist, dass es auf Gemeindeebene angesiedelt und damit dem jeweiligen, der jeweiligen Bürgermeister*in unterstellt ist. Gerade in der Krise würde eine erhöhte Flexibilität über Gemeindegrenzen hinaus effizienzsteigernd wirken. Gut wäre, es auf der Landesfachebene zu holen, wie es etwa in Südtirol der Fall ist. So wäre noch eine Effizienzsteigerung möglich.

Welchen Rat geben denn die Berater*innen beim Thema Wiederbewaldung? Immerhin haben wir 80% Schutzwald in Tirol. Wie sieht die Zusammenarbeit mit der Jagd aus?
JF: Das sind ganz wichtige Themen. Oberstes Gebot: Priorisierung, nicht nur bei der Schadholzaufarbeitung, sondern auch bei der Aufforstung. Also keine Flächenaufforstung, sondern nur dort, wo es Boden und Lage ermöglichen oder erfordern. Die Begründung von Vorwald, die Ausbringung von Samen und Pflanzen mit Drohnen wird in Zukunft wichtiger werden. Jawohl, die Jagd muss frühzeitig eingebunden werden. Wir werden je nach Gebiet jagdwirtschaftliche Konzepte brauchen, die oft auch höhere Abschüsse vorsehen. 
EG: Hochabstockungen, Querfällungen gegen Lawinen und Steinschlag sind bei uns gängige Praxis. Im Rahmen flächenwirtschaftlicher Programme haben wir auch die Möglichkeit, jagdwirtschaftliche Konzepte vorzusehen. Das größte wird derzeit in Kals auf einer Fläche von 8.000 ha umgesetzt. Das beginnt bei der Auflassung und Verlegung von Fütterungen, dem Einrichten von Schussschneisen, dem Bau von Reviereinrichtungen. Im Rahmen der sogenannten „Verjüngungsdynamik“ fließt in Tirol der Waldzustand in die Abschussplanung ein. Ich lege Wert darauf, dass meine Leute diese Aufnahmen exakt machen. Da zieht die Jagdbehörde voll mit uns mit. Das heißt, die Jagd ist für die jeweilige Situation sehr gut sensibilisiert, um auch Sofortmaßnahmen zu setzen, die über den Abschussplan hinaus gehen. Wir werden auch im kommenden Jahr mit der Jagdbehörde in den einzelnen Revieren die Abschussvergabe besprechen und dabei auch kleinräumig auf Besonderheiten eingehen können. Teilweise kommen aber auch Zwangsmaßnahmen zum Einsatz, Strafen, wo nicht anders möglich. Das betrifft die Relation Trophäenträger und Kahlwild beim Abschuss. Beim Rotwild funktioniert das schon recht gut, beim Rehwild geht es in diese Richtung.

Meine Herren, danke für das Gespräch!