17. November
Der Landesforstbetrieb Baden-Württemberg (ForstBW) stellte im Forstbezirk Altdorfer Wald im Bezirk Ravensburg/DE Übungs- und Testflächen bereit, um die Outreach-Maschine zu erproben und erste Leistungsdaten per Zeitstudie zu erheben. Ziel ist es, den motormanuellen Zufäller im Mittelblock zu ersetzen, der bei 40 m Rückegassenabstand für Standardharvester nicht erreichbar ist. So soll die unfallträchtige motormanuelle Arbeit entfallen und eine vollmechanisierte Holzernte auch bei 40 m Abstand möglich werden.
Als Träger dient ein HSM 405 H4 Harvester mit Verstellfelgen. Der Leichtbau-Ausleger wiegt über 4 t, der zum Fällaggregat umgebaute Kopf etwa 850 kg; ein leichterer Fällkopf ist in Entwicklung. Das Gesamtsystem erreicht rund 40 t. Trotz 3,4 m Breite kam das System bei voller Auslage gelegentlich an Stabilitätsgrenzen, die sich durch Moorbänder oder Wasserballast verbessern lassen. Dehnmessstreifen überwachen die Struktur während des Betriebs. Ein Assistenzsystem mit mehreren Kameras und Echtzeit-Bildverarbeitung erleichtert dem Fahrer die Aggregatführung; es liefert unter anderem Durchmesser- und Distanzdaten zu Bäumen sowie Sicht in die Kronen.
HSM-Fahrer Charly Müllerschön fällte zunächst mehrere Dutzend Fichten und Buchen bis 45 cm BHD. Eine koordinierte Seilwinde zieht die gefällten Stämme vom Stock ab und in die Reichweite eines Standardharvesters. Ein verbogenes Schwert war der einzige Ausfall. Auf einer weiteren Fläche fällte die Maschine rund 100 fm Fichten- und Laubhölzer ohne relevante Boden- oder Bestandsschäden.
Die Leistungsdaten werden bis Projektende am 31. Dezember ausgewertet und in den Abschlussbericht im März 2026 aufgenommen.
12. Juni
Durch die Erhöhung des Rückegassenabstands auf 40 m soll die Arbeit im Mittelblock entschärft werden. © KWF
Im vom Kuratorium für Waldarbeit und Forsttechnik (KWF), Groß Umstadt/DE, koordinierten Projekt „Outreach" entsteht in Zusammenarbeit mit dem Forstmaschinenhersteller Hohenloher Spezialmaschinen (HSM) sowie den RWTH-Aachen-Instituten für Mensch-Maschine-Interaktion (MMI) und Strukturellen Leichtbau (SLA) eine neuartige Forstmaschine mit 20 m Kranreichweite. Das Ziel: Ein spezialisiertes Fäller-Vorrücke-Fahrzeug, das auch bei erweiterten Rückegassen-Abständen von bis zu 40 m eine vollmechanisierte Holzernte von Bäumen bis zu einem BHD von 60 cm ermöglicht – insbesondere im bisher schwer erreichbaren Mittelblock des Hiebs. Damit soll das bislang übliche, unfallträchtige manuelle Zufällen durch maschinelle Verfahren ersetzt werden.
Im Zentrum der Entwicklung steht ein völlig neuartiges Auslegerkonzept, der sogenannte M-Kran, das eine besonders große Reichweite bei gleichzeitig hoher Gewichtsoptimierung erlaubt. Zur Reduktion des Maschinengewichts ist die neue Einheit ausschließlich zum Fällen und Beiseilen vorgesehen, während die Aufarbeitung des Holzes ein nachgeschalteter Standardharvester übernimmt. Ein Digitaler Zwilling begleitet die Entwicklung: Damit können alle strukturellen Berechnungen und Simulationen am Computer durchgeführt werden, bevor der erste reale Prototyp gebaut wird.
Das Outreach-Projekt wird durch die Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe (FNR) im Auftrag des Bundesministeriums für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH) gefördert. Ursprünglich war der Projektabschluss für Mitte 2025 vorgesehen, doch aufgrund des hohen technischen Aufwands – insbesondere beim neuartigen Ausleger – wurde das Projekt kürzlich bis Ende 2025 verlängert.
Die Projektziele knüpfen an aktuelle forstliche Entwicklungen an: In mehreren Landesforsten sowie im Rahmen der FSC-Zertifizierung wird die Vergrößerung der Rückegassen-Abstände von derzeit 20 auf 40 m bereits umgesetzt oder vorbereitet. Dies bedeutet, dass sich die maschinell befahrene Fläche im Bestand von etwa 20 % auf rund 10 % reduziert. Die wegfallenden Gassen können sich je nach Bodenart, Struktur und Standortbedingungen teilweise oder vollständig von der Befahrung erholen. Sie stehen dem Wald damit langfristig wieder für ökologische Funktionen und die Holzerzeugung zur Verfügung.