Horsch-Pirk_Chefs.jpg

Haben ihr kleines, aber feines Start-up in ein weltweit agierendes Unternehmen mit eingebracht (v.li.): Michael Pirkenseer, Reinhold Rösel und Markus Pirkenseer am Pressetag. © Horsch Pirk Forestry GmbH

Bayern

Hopfen und Malz gewonnen

Ein Artikel von Robert Spannlang | 26.08.2025 - 16:26

Vieles beginnt ganz klein und im Verborgenen. Im Biotop aus praxisnaher Fachausbildung, privatem Interesse und der Möglichkeit, waghalsige Lösungen einfach daheim auszuprobieren, kann Innovation gedeihen. Das ist in Bayern, dem Geburtsort der Zünftigkeit, auch nicht anders. Wenn nämlich ein brüderlich-harmonisches Zusammenwirken wie im Fall von Michael und Markus Pirkenseer auch noch gefördert wird durch erfahrene kaufmännische und technische Mentoren, kommt mitunter ein Innovations-Domino-effekt in Gang, der wie eine Druckwelle durch die Branche geht. Und zu guter Letzt nutzt diese Initiative nun auch noch die Infrastruktur eines weltweit agierenden Unternehmens, das die handelnden Personen seit Langem kennt, schätzt und fördert. 

Hingabe ist Trumpf
Die Gebrüder Pirkenseer sind langjährige Mitarbeiter der HORSCH Maschinen GmbH in Schwandorf, sie sind mit der Land- und Forstwirtschaft aufgewachsen. In seiner Laufbahn bei HORSCH und nach eigener akademischer Weiterbildung betreute Michael unter anderem Abschlussarbeiten von Studierenden im landwirtschaftlichen Maschinen-
bau, er wie sein jüngerer Bruder Markus waren in leitender Position in der Entwicklung bei HORSCH tätig. Und wiederum „nebenher“ – also in ihrer Freizeit – entwickelten sie zunächst privat Maschinen für den eigenen Bedarf, von der Mini-Forstraupe bis zu Spezialanhängern. Nach dem Kauf eines neuen Rückeanhängers und durch den am eigenen Bedarf abgeleiteten Wunsch nach technischen Verbesserungen entstand 2019 der erste selbst konstruierte Rückeanhänger. „Die Initialzündung war die Interforst 2018 gewesen. Wir hatten damals mit unserem Maschinenhändler eingehende Gespräche geführt“, erzählt Michael Pirkenseer. „Wenn unsere Ideen am Markt noch nicht vorhanden waren, dann gab es nur eines: Selber machen“, ergänzt Markus, der den Bauernhof mit 55 ha Wald vom kinderlosen Onkel übernommen hat. So entstanden erste Prototypen, die unter realen Bedingungen am eigenen Hof getestet wurden. Auch land- und forstwirtschaftliche Unternehmer aus der Umgebung zeigten Interesse an den innovativen Anhängern aus Oberbuch – mit Hebelenkdeichsel und angetriebenen Achsen. Aber: „Wir waren uns bewusst: Das machen wir alles mit vollem persönlichem Risiko. Wir brauchten eine Organisationsform, die diesem Problem abhalf“, berichten die Brüder übereinstimmend.

Kippen und bodenschonend rangieren können
2022 gründeten die Brüder gemeinsam mit Diplomkaufmann Reinhold Rösel die Gepima GmbH – „Gebrüder Pirkenseer Maschinenbau“. Ein Erfolgsprodukt aus dieser Zeit ist die Forstmulde Pirk TM mit hydraulischer Hebelenkdeichsel. Diese ermöglicht enge Wendemanöver und hohe Geländegängigkeit, hier  in Kombination mit kippbarer Mulde für effizientes Entladen. Ergänzend entwickelten sie Rückeanhänger mit angetriebenen Achsen. 

Vom Start-up zur Horsch-Tochter
„Unser Chef, Philipp Horsch, war von Anfang an in unser Feierabend-Startup-Projekt eingeweiht. ,Gebt richtig Gas‘ hat er uns sogar in unserem Tun motiviert“, verrät Michael. So etwas ist natürlich nicht selbstverständlich. Aber es hat die beiden tüchtigen Mitarbeiter in ihrer Loyalität zu ihm nur noch bestärkt – und sollte ihm bald zum Vorteil gereichen. „Irgendwann mussten wir zwar Arbeitszeit bei der HORSCH Maschinen GmbH reduzieren. Immerhin hatten wir ja beide auch Familien, die uns auch irgendwann mal sehen wollten“, fügt Markus hinzu. Die steigende Nachfrage stellte das kleine Unternehmen vor Kapazitäts- und Finanzierungsgrenzen. Und so kam es zum logischen zweiten Schritt in der Entwicklung des wachsenden Unternehmens Gepima – dem Zusammenschluss mit Horsch. Unter dem Namen Horsch Pirk Forestry GmbH nutzt das Team nun die Produktions-, Vertriebs- und Serviceinfrastruktur des Landtechnikherstellers. So sichern sie sich Marktzugang, Patentschutz und die Möglichkeit, Serienfertigung mit individuellen Lösungen zu verbinden. Das aktuelle Angebot umfasst 16- und 20-Tonnen-Rückeanhänger, die Forstmulde sowie individuelle Aufbauten. Krane stammen vorwiegend vom italienischen Hersteller Icarbazzoli, angepasst an die Geometrie der Anhänger, die eine Parkposition für den Wipparm des Krans aufweisen. Potenzielle Kunden sind forstwirtschaftliche Lohnunternehmen, größere Privatwaldbesitzer, Kommunen sowie Landes- und Bundesforste. Großes Augenmerk liegt immer auf praxisgerechten, robusten Konstruktionen. 
Bis zur Kooperation mit Horsch fertigten die Brüder nahezu jede Schweißnaht selbst. Heute bleibt die Entwicklung und der Prototypenbau am Hof in Oberbuch, während die Serienproduktion in die Horsch-Werke verlagert wird. Die enge Zusammenarbeit mit Horsch ermöglicht zudem den Zugriff auf digitale Technologien aus der Landtechnik.

Zukunftsplan bis 2033
Kurzfristig sollen kleinere Modelle der bestehenden Anhänger entwickelt werden. Für 2029 ist ein eigener Fällgreifer und eine Lösung für forstliche Saattechnik geplant, 2031 folgt eine Forstraupe sowie ein Hakenlift-Trailer mit Knickdeichsel. 2033 sollen Forwarder und Harvester das Portfolio komplettieren. Trotz geplanter Stückzahlen will Horsch Pirk den Anspruch auf innovative, spezialisierte Produkte beibehalten.

Der österreichische Markt erfordert spezifische Lösungen wie Z-Krane, angetriebene Achsen und hohe Wendigkeit für alpines Gelände. Horsch Pirk bietet auch hier individuell angepasste Maschinen an. Das „Ohr beim Kunden“ zu haben – ob im Flachland oder im Gebirge – bleibt zentraler Bestandteil der Unternehmensphilosophie.