Auch die Forstwirtschaft braucht gut ausgebildete Arbeitskräfte. Warum aber entscheiden sich nur wenige junge Menschen für einen Forstberuf? Folgende Gründe könnten ausschlaggebend sein:
- Gehälter und Arbeitsbedingungen: Lohn- und Gehaltsniveau sind im Vergleich zu anderen Branchen oft niedriger. Benefits wie eine Dienstwohnung – vielleicht noch abgelegen mitten im Revier – sind heute längst nicht mehr so zugkräftig wie einst. Insbesondere in der forstlichen Produktion ist die Arbeit immer noch körperlich fordernd und mitunter gefährlich.
- Perspektiven und Karrieremöglichkeiten: „Forstwirtschaft = Bäume umschneiden“. Auf diese einfache Gleichung lässt sich das Image der Forstwirtschaft in der breiten Wahrnehmung herunterbrechen. Dementsprechend werden Entwicklungs- und Aufstiegsmöglichkeiten sowie Prestige einer Arbeit in der Forstwirtschaft als gering bewertet.
- Tradition und Strukturen: Die Forstwirtschaft ist nach wie vor ein nach außen hin eher abgeschotteter Bereich. Traditionen haben hohen Stellenwert und Strukturen ändern sich nur langsam, was etwa die Vereinbarkeit von Beruf und Familie noch immer erschwert – für junge Menschen mit ein Entscheidungskriterium.
- Bezug zu Wald und Natur: In einer zunehmend urbanisierten Welt haben viele junge Menschen wenig Bezug zur Natur. Die Forstwirtschaft haben viele daher bei der Berufswahl gar nicht erst am (Bild-)Schirm. Andere mit vielleicht verklärten Naturvorstellungen dagegen wenden sich oft noch während der Ausbildung desillusioniert ab.
Ob diese Faktoren nun Realität oder nur gefühlte Wahrnehmung sind – das Ergebnis ist dasselbe: Die Forstwirtschaft ist für viele junge Menschen wenig attraktiv.
Ein weiterer branchenspezifischer Aspekt: Die Forstwirtschaft wird noch immer sehr stark als männlich dominierte Branche gesehen, wie schon die Umfrageergebnisse des Projektes Fem 4Forest (2021–2023) zeigten. Angesichts des ohnehin nicht allzu großen Arbeitskräftepotenzials ist es nur sinnvoll, verstärkt auch Mädchen und Frauen anzusprechen und für eine forstliche Tätigkeit und für forstliche Ausbildungen zu gewinnen.
Hindernisse identifizieren
Wie kann es gelingen, junge Frauen für die Forstwirtschaft zu interessieren? Im Januar 2024 startete ein Konsortium von 15 Projektpartnern das internationale Projekt Fem 2forests. Das Projekt wird durch das Interreg Danube-Programm finanziert und umfasst 15 Partnerinstitutionen aus neun Ländern. Österreich ist durch die Forstliche Ausbildungsstätte Pichl (FAST) und den Verein nowa vertreten.
Dies sind die Projektziele:
- Entwicklung innovativer Karrierewege für Mädchen und junge Frauen
- Stärkung der Expertise forstlicher Bildungseinrichtungen durch die Einbeziehung einer gleichstellungsorientierten Perspektive
- Schaffung von Rahmenbedingungen, die die effektive Teilhabe von Frauen in der Forstwirtschaft unterstützen
In einem ersten Schritt wurde eine Umfrage unter Mädchen und Frauen in Ausbildung (Försterschule Bruck, land- und forstwirtschaftliche Fachschule, nichtforstliche Schulen, BOKU) durchgeführt. Dabei wurden der persönliche Hintergrund, die Motivation für die Ausbildung, Informationswege, berufliche Chancen, Stereotype über Forstberufe und Hindernisse in der Berufsausbildung abgefragt.
Die Ergebnisse geben erste Anhaltspunkte für konkrete Maßnahmen. So waren beispielsweise die wichtigsten Informationsquellen über Forstberufe Eltern und Verwandte, gefolgt vom Internet beziehungsweise von den sozialen Medien.
Die identifizierten Haupthindernisse sind (alt-)bekannt: Geschlechterbezogene Stereotype (70%) und Unterschätzung von Fähigkeiten von Frauen in der Forstwirtschaft (57%) führen die „Hitliste“ an. Daneben wurden Round Tables mit Stakeholdern und Lehrer*innen der HBLF Bruck abgehalten, um deren Einschätzung und Ideen miteinzubeziehen.
Aktivitäten setzen
Die Schlüsse, die aus Umfragen und Round Tables gezogen werden können: Grundsätzlich werden positive Entwicklungen gesehen – sowohl, was den weiblichen Anteil unter Schüler*innen und Studierenden als auch deren Leistungen und Inputs betrifft.
Chancen bieten einerseits sozioökonomische Entwicklungen durch die Veränderungen in den Besitzstrukturen, aber auch technische Innovationen (etwa Lastendrohnen und digitale Anwendungen) eröffnen neue Arbeitsfelder.
Aktivitäten sollten in folgenden Bereichen ansetzen:
- Entwicklung einer Vision für Mädchen und Frauen mithilfe von Mentoring und Role Models
- Aufbrechen der geschlechtsbezogenen Stereotypen durch Bewusstseinsbildung
- Modernisierung des Images der Forstwirtschaft und Aufzeigen von Karrieremöglichkeiten
- Einschlagen innovativer Informationswege über Forstberufe
Richtung integrativer Sektor
Die nächsten Schritte: Die Fem 2forests-Projektpartner organisieren in Kooperation mit der Dachorganisation für Frauen in der Forstwirtschaft „Women in Forestry (WOFO) International“ die internationale Konferenz Equality and Diversity in Forestry – Changing the Image of Forestry von 24. bis 25. Oktober in Portorož. Im Mittelpunkt der Konferenz steht die Frage, wie das Image der Forstwirtschaft von einem traditionell männerorientierten Sektor zu einem gleichstellungsorientierten und integrativen Sektor verändert werden kann. Der erste Tag ist Vorträgen und Diskussionen gewidmet. Am zweiten Tag findet eine Studienreise in die Wälder Istriens statt. Der Besuch der Konferenz ist kostenlos, eine Anmeldung ist erforderlich.