Das Aktionsprogramm „Schutzwald: Wald schützt uns!“ des Bundesministeriums für Land- und Forstwirtschaft wurde 2019 gestartet. Ziel ist es, durch vier Zielkorridore und zehn Leuchtturmprojekte einen widerstandsfähigen, zukunftsorientierten und klimafitten Schutzwald zu gestalten.
Der Leuchtturm „Schutzwald in Wert setzen“ verfolgt das Ziel, die Schutzfunktionen des Waldes für Eigentum und Lebensräume anzuerkennen und die Bedeutung intakter Schutzwälder als zentrale Elemente der Sicherheit vor Naturgefahren im Bewusstsein der Bevölkerung zu verankern. Das Projekt „Öko-Schu-Wa“ erfasste die volkswirtschaftliche Bedeutung von Wäldern mit direkter Objektschutzfunktion (WdOSF) und bewertet ihren Beitrag zur Schadensabwehr und -minimierung. Ein interdisziplinäres Forschungsteam aus dem Bundesforschungszentrum für Wald (BFW), dem Österreichischen Institut für Wirtschaftsforschung (WIFO) und der Bundesanstalt für Agrarwirtschaft und Bergbauernfragen (BAB) arbeitete gemeinsam an dieser Analyse. Die Finanzierung erfolgte über den Waldfonds. Alexandra Freudenschuß vom Institut für Waldinventur sowie Frank Perzl vom Institut für Naturgefahren des BFW präsentierten auf der Bundesschutzwaldplattform am 7. Oktober am Waldcampus Traunkirchen die Ergebnisse.
Flächen und Schutzwirkung
Alexandra Freudenschuss vom BFI präsentierte auf der Bundeschutzwaldplattform die Ergebnise der Studie „WA: Die Bedeutung der Schutzwälder in Österreich und ihre regionale und volkswirtschaftliche Relevanz“ © Fotocredit: BMLUK/Simone Steurer
In Österreich entfallen 615.000 ha (16%) der Waldfläche auf WdOSF, die überwiegend im alpinen Raum liegen. Die Hinweiskarte Schutzwald 2022 zeigt, welche Wälder Gebäude, Infrastruktur und Wirtschaftsräume schützen sollen. Sie gibt jedoch keinen Aufschluss über tatsächlich geschützte oder ungeschützte Flächen. WdOSF schützen potenziell Räume, die durch Naturgefahren, wie Schneelawinen, Steinschlag oder flachgründige Rutschungen, bedroht sind. Indirekte Objektschutzwirkungen, etwa durch Murenabgänge oder Hochwasser, bleiben unberücksichtigt. Die ökonomische Bedeutung des Schutzwaldes geht aus den Karte ebenfalls nicht hervor.
Die Modellierungen erfolgen getrennt für die drei Naturgefahrenprozesse und für unterschiedliche Anbruchssituationen. Anschließend wurde die Auftretenswahrscheinlichkeit der Prozesse im gefährdeten Raum abgeschätzt, um die potenziell geschützten Bereiche zu bestimmen.
In Österreich beeinflusst der WdOSF auf 299.000 ha nicht bewaldeter Fläche das Risiko von Schäden durch die drei Naturgefahren. Dies entspricht 3,6% der Landesfläche beziehungsweise 4,8% des Dauersiedlungsraums. Tirol führt mit 94.000 ha, gefolgt von der Steiermark (53.000 ha) und Salzburg (49.000 ha). Landesweit hängt der Schutz vor Lawinen auf 235.000 ha, vor Hangrutschungen auf 199.000 ha und vor Steinschlag auf 111.000 ha vom WdSOF ab.
Vom potenziell geschützten Raum sind 98.000 ha (32,9%) vollständig durch die Schutzwirkung der Bäume im WdOSF geschützt, ohne Berücksichtigung von Schutzbauten. 201.000 ha (67%) profitieren nur teilweise vom Waldbestand.
Arbeitskräfte und Wertschöpfung
Mit Stand 2021 arbeiteten landesweit 171.900 Personen in potenziell geschützten Zonen, das entspricht 3,7% aller Arbeitskräfte. 475.000 Personen haben ihren Hauptwohnsitz im potenziell geschützten Raum. Die jährliche Wertschöpfung (BIP) im potenziell geschützten Raum beträgt landesweit laut Modellierung 14,4 Mrd. €, was 3,4% der Gesamtwirtschaft entspricht und höher als die Bruttowertschöpfung der gesamten Land- und Forstwirtschaft (1,2%) ist. In Tirol beläuft sie sich auf 5,5 Mrd. € (14,9%), in Salzburg auf 2,9 Mrd. € (9,9%) und in Vorarlberg auf 1,7 Mrd. € (7,9%). In einigen alpinen Tälern hängt nahezu der gesamte Dauersiedlungsraum von der Schutzwirkung ab.
Bewertung der Schutzwirkung
Da die Schutzwald-Hinweiskarte nur auf Flächen verweisen soll, die Schutzwald im Sinne des Forstgesetzes sein könnten, enthält sie auch keine Informationen über die tatsächliche Schutzwirkung des Waldes. Sie zeigt weder das Schutzdefizit der zu schützenden Objekte noch das Schutzwirkungsdefizit der Wälder oder das „Störungsrisiko“. Im Rahmen der Priorisierung von Maßnahmen in Wäldern mit Objektschutzfunktion (Prio-SCHU-WA) wurde diese Analyse für die gesamte Landesfläche im Auftrag der WLV (BMLUK, Abt. III/4) durchgeführt. Für alle Gefahrenprozesse wurde ermittelt, wo sie entstehen können, wie hoch die Anbruchswahrscheinlichkeit ist, welche Sturzbahn sie nehmen und welche Reichweite beziehungsweise räumliche Auftretenswahrscheinlichkeit sie unter Berücksichtigung der Schutzwirkung der Bäume aufweisen. Dabei zeigte sich, dass 127.000 ha (21,3%) des WdOSF ein Schutzwirkungsdefizit aufweisen, davon 41.000 ha mit hoher Priorität des Handlungsbedarfs. Auf 1900 ha (1,5%) der Fläche mit Schutzwirkungsdefizit sind bereit WLV-Schutzbauten vorhanden.