Die Reviere des Erzbischöflichen Forstamtes in Kirchberg am Wechsel sind nadel-holzdominiert. Es überwiegen Fichtenreinbestände, vielfach in topografisch anspruchsvollen und nur schwierig bringbaren Lagen. Ein Blick in die forstliche Zukunft anhand der Modelle der Waldtypisierung lässt auf zahlreichen Flächen zwar noch die Hoffnung zu, mit der aktuellen Bestockung ein letztes Mal planmäßig wirtschaften zu können. Trotzdem sind Risiko und Ungewissheit heute deutlich höher einzuschätzen als noch zu Zeiten unserer Großväter beziehungsweise Vorgängergenerationen.
Wie begegnen wir diesen Herausforderungen mit dem Anspruch eines verantwortungsvollen Verwalters und zugleich mit dem langfristigen, generationenübergreifenden Blick des Waldbauern? Im Folgenden werden zunächst vermeintliche innerbetriebliche Erfolgsfaktoren skizziert. Daran anschließend werden mehrere Projekte aus der jüngeren Vergangenheit vorgestellt, die das Management in der Waldbewirtschaftung unterstützen und weiterentwickeln sollen.
Strategie und Konsequenz
Um innerbetrieblich eine einheitliche Zielverfolgung sicherzustellen, bietet sich die Formulierung einer klaren waldbaulichen Strategie an. Zentrale Fragestellungen dabei sind:
- Wie wollen wir den absehbaren Veränderungen der Zukunft begegnen?
- Welche Maßnahmen sind erforderlich, um diese Ziele tatsächlich umzusetzen?
- Und wie können dabei zugleich die unterschiedlichen standörtlichen und betrieblichen Produktionsbedingungen berücksichtigt werden?
In der Waldbaustrategie des Erzbischöflichen Forstamtes wurden für die Nadelholzbestände Soll-Stammzahlkorridore der Entwicklungsstadien Aufforstung, Jungwuchs, Baumholz formuliert und Zielsetzungen für waldbauliche Maßnahmen (Mischwuchsregulierung und Vornutzung) festgelegt. Weiters wurden Umwandlungsbaumarten und Zielmischungen je Revier definiert. Dadurch wird auch zwangsläufig der Fichtenanteil in den zu begründenden Beständen reduziert.
Die reine Formulierung dieser strategischen Ziele genügt freilich nicht. Diese müssen möglichst konsequent und unnachgiebig verfolgt werden. Im Zusammenhang mit den Begründungs- und Pflegekosten muss für waldbauliche Alternativen zum „Fichtentum“ (business as usual) natürlich auch das entsprechende kaufmännische Bekenntnis und ein wenig Hartnäckigkeit vorhanden sein.
In den Revieren des Erzbischöflichen Forstamtes hat eine strenge Stammzahlhaltung traditionell einen hohen Stellenwert und wird auch weiterhin konsequent umgesetzt. Bereits in der Teilflächenplanung der Aufforstungen wird großer Wert auf die Begrenzung der Pflanzzahlen gelegt. Konkret bedeutet dies, dass beispielsweise bei Standardaufforstungen nicht mehr als 1.700 Pflanzen/ha bereitgestellt werden.
Die Stammzahlreduktion erfolgt möglichst frühzeitig, ab einer Bestandeshöhe von 2 m und in entsprechend starker Intensität. Ziel ist es, nach der ersten Pflegeeingriffsmaßnahme einen Stammzahlkorridor von etwa 800 bis 1.100/ha zu erreichen. Im Idealfall kann bereits nach einer einzigen Vornutzungsmaßnahme ein Endbestand von 500 bis 700 Stück/ha erreicht werden. Werden diese Maßnahmen über lange Zeiträume hinweg konsequent, fachlich korrekt und zum richtigen Zeitpunkt umgesetzt, lassen sich in vielen Beständen H/D-Verhältnisse unter 80, teilweise auch deutlich darunter, realisieren. Dies reduziert bekanntlich das Windwurf/-bruchrisiko und fördert die Einzelbaumvitalität.
Inventur in den Revieren des Erzbischöflichen Forstamtes in Kirchberg am Wechsel © Forstzeitung (erstellt mit datawrapper.de)
Kontrolle und Controlling – des Pudels Kern
Wie kontrollieren wir jedoch die Erreichung dieser Zielvorgaben? Genügt uns der Götterblick des Bodenpersonals, oder die Erfahrung eines Harvesterfahrers? Nachstehend werden zwei Projekte vorgestellt, bei denen terrestrische Aufnahmen von Praktikanten beziehungsweise Adjunkten die Grundlage bildeten.
Die Abbildung rechts zeigt die Ergebnisse der Inventur von in Summe 135 ha durchforsteter Bestände. Die Aufnahmen wurden mittels der Smartphone-App „Aboreal“ durchgeführt. Pro Bestand wurden zumindest drei Inventurpunkte aufgenommen, je nach Größe bis zu neun Punkte pro Bestand. Die Ergebnisse wurden in einem Ampelsystem visualisiert.
In 75% der Bestände wurde nach der Durchforstung auf eine Stammzahl von unter 700 Stück/ha abgestellt. 84% der Bestände wiesen ein mittleres H/D-Verhältnis von weniger als 85 auf. Diese Ergebnisse sind im Lichte der definierten Waldbaustrategie zwar als zufriedenstellend zu bewerten, erlauben jedoch keine Aussagen über die „Dunkelziffer“, also zu den vorhandenen Durchforstungsreserven in bislang unbehandelten Beständen. Festhalten lässt sich lediglich, dass die in der jüngeren Vergangenheit umgesetzten Maßnahmen weitestgehend fachlich korrekt und zielkonform durchgeführt wurden.
Ein zentrales Fazit dieses Projektes ist daher, dass die bislang noch nicht durchforsteten Bestände einer systematischen Maßnahmenplanung unter Einbeziehung klar definierter Dringlichkeitsstufen unterzogen werden sollten. Die Beantwortung der Frage, wo sich diese Bestände befinden und in welchen Bereichen aus objektiver Sicht akuter Handlungsbedarf besteht, wäre bis vor Kurzem mit erheblichem personellem und zeitlichem Aufwand verbunden gewesen und käme einer Sisyphusarbeit gleich.
Dickungsinventur 2025
Ziel dieses Projektes war es, einen systematischen Überblick über den Zustand der Jungwuchs- und Dickungsbestände des Betriebes zu gewinnen. In einem ersten Arbeitsschritt wurden potenziell relevante Bestände mithilfe des Forstoperates in einem eigenen GIS-Layer (Geografisches Informationssystem) abgegrenzt. Grundlage bildeten die Baumhöhenkarte sowie eine attributive Abfrage nach Bestandesaltern zwischen 8 und 25 Jahren. Die so generierte Shapefile-Datei wurde anschließend mit dem Maßnahmenvollzug der letzten fünf Jahre verschnitten und auf Basis der Flächengröße priorisiert. Die anschließenden Außenaufnahmen erfolgten bewusst mit einfachen, bewährten Hilfsmitteln und somit gänzlich „old school“ – mit 5,65 m-Messband, Bleistift und Klemmbrett.
Die Ergebnisse der Dickungsinventur auf insgesamt 215 ha zeigen folgendes Bild: Rund 52% der untersuchten Flächen können als gut reduziert eingestuft werden und entsprechen damit den waldbaulichen Zielvorgaben (Stammzahl < 1.100 Stück/ha). Auf weiteren 22% der Flächen wurde zwar eine Maßnahme gesetzt, die gewünschte Stammzahl bislang jedoch nicht erreicht. Etwa 20% der Bestände weisen aktuell einen akuten Handlungsbedarf auf und sollten innerhalb der nächsten drei Jahre einer Maßnahme unterzogen werden. Lediglich rund 5% der Flächen erscheinen aus heutiger Sicht waldbaulich nicht pflegebedürftig (zu geringe Wuchshöhe).
Die Ergebnisse verdeutlichen, dass die Mehrheit der durchgeführten Läuterungsmaßnahmen zielkonform umgesetzt wurde. Dabei ist festzuhalten, dass ein Nichterreichen der Zielstammzahlen nicht zwangsläufig auf eine mangelhafte Maßnahmenumsetzung zurückzuführen ist. Insbesondere in stark naturverjüngungsfreudigen Beständen kann sich mehrere Jahre nach der Pflege erneut eine erhöhte Stammzahl über der Kluppschwelle einstellen. Eine weitere Schlussfolgerung ließ der Anteil der Flächen, die in den nächsten drei Jahren zu läutern sein werden, zu: Sind wir zwar auf einem guten Weg, dürfen wir diesen jedoch nicht verlassen und müssen Jahr für Jahr dranbleiben, um keine „waldbaulichen Reserven“ aufzubauen. (Diese Erkenntnis ist jedoch in Anbetracht der Hiebsnachweise der vergangenen 30 Jahre nicht verwunderlich.)
Digitale Alternativen zu „Old School“
Borkenkäfer-Management: Im Gegensatz zu den oben angeführten Methoden zur Erlangung von Informationen aus dem Wald liegen bereits eine Reihe mehr oder weniger etablierter digitaler Alternativen vor. Aufgrund des hohen Fichtenanteils und des steigenden Risikos im Betrieb wurde der Wunsch nach einem „Borkenkäfer-Frühwarnsystem“ immer lauter. Im Spätsommer 2025 erhielten wir von einem forstlichen Dienstleister eine digitale Revierkarte mit Sentinell 2-Luftbildern, auf der einerseits potenzielle Borkenkäfernester (rot markiert, siehe Grafik links) und andererseits sonstige potenzielle Schadbäume (violett markiert) abgebildet waren. Die Methodik basiert auf der Erkennung von Farbunterschieden im Kronendach durch eine eigens programmierte Künstliche Intelligenz (KI). Nach der Übergabe der Ergebnisse wurden alle markierten Waldorte aufgesucht und ausgewertet.
Die Ergebnisse dieser Auswertung waren verblüffend. Von 70 detektierten Waldorten waren 27 bereits bekannt und vom Personal vermarkt. Bei 23 Punkten konnte kein frischer Befall beobachtet werden, meistens handelte es sich um stehendes Totholz. In 20 Fällen wurde Befall angezeigt, der noch nicht bekannt war. 16 Waldorte waren dem Personal bekannt, die nicht angezeigt wurden. Dort hat somit die KI nicht Alarm geschlagen, sondern das Bodenpersonal. Hierbei handelte es sich meistens um sehr frischen Befall bei noch sattgrüner Krone.
Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass dieses Instrument den Revierdienst natürlich nicht ersetzen werden kann, jedoch bei vertretbaren Kosten eine hilfreiche Unterstützung und auch Absicherung für ebendiesen sein kann.
Im Sinne einer konstruktiven Methodenkritik ist festzuhalten, dass ein starker Borkenkäferbefall bei noch vollständig grüner Krone zum Zeitpunkt der Luftbildaufnahme häufig nicht zuverlässig erkannt werden kann. Demgegenüber ist zu berücksichtigen, dass im Jahr 2025 insgesamt ein eher geringes Borkenkäferauftreten zu beobachten war. Gleichzeitig zeigt sich, dass die Erkennung von Käferbefall durch KI-gestützte Systeme grundsätzlich keinen kapazitativen Begrenzungen unterliegt. Während ein durch das menschliche Gehirn gesteuertes System bei der Verarbeitung großflächiger Kalamitäten zwangsläufig an Grenzen stößt, bestehen derartige Limitationen bei KI-Anwendungen nicht. Daraus lässt sich ableiten, dass der Nutzen KI-gestützter Verfahren mit zunehmendem Ausmaß einer Kalamität deutlich steigt: Je größer und dynamischer das Schadereignis, desto höher ist der potenzielle Mehrwert dieser Technologie für das forstliche Management.
Einzelbaumableitung zur Ermittlung von Bestandesinformationen
Seit einiger Zeit bieten namhafte Softwareentwickler KI-gestützte Instrumente zur Erkennung und Charakterisierung von einzelnen Bestandesindividuen mittels hochauflösender Luftbilddaten an. Es ließe sich dadurch beispielsweise in Kombination mit Baumhöhenkarten vom Schreibtisch aus die Dringlichkeit und die notwendige Eingriffsstärke von forstlichen Maßnahmen auf Bestandesebene abschätzen.
Die waldbauliche Planung und auch Erfolgskontrolle wäre grosso modo sehr einfach und effizient. So romantisch auch die Felddatenerhebung ist, die zuvor erwähnten Ergebnisse wären dann einfacher, genauer, systematisch und auf Ebene des gesamten Betriebes verfügbar. Auch im Zuge der Vor- und Endnutzungsplanung wäre ein viel höheres Maß an Genauigkeit in vielerlei Hinsicht ständig und digital verfügbar.
Die Abbildung zeigt eine solche Applikation von Ocell. Viele wesentliche Bestandesparameter sind per Knopfdruck verfügbar und könnten auch für ein beliebiges Polygon (beispielsweise für größere Flächen in Dauerwaldsystemen) visualisiert werden. Denken wir etwa an die konkreten Ziele der betriebseigenen Waldbaustrategie, so könnte die Maßnahmenplanung, die Beurteilung der Maßnahmendringlichkeit und auch die Erfolgskontrolle maßgeblich unterstützt und vereinfacht werden.
Fazit
Die digitalen forstlichen Informationssysteme können und werden die forstbetriebliche Steuerung auf operativer wie auch auf strategischer Ebene in hohem Maße unterstützen. Sie tragen dazu bei, bislang bestehende „blinde Flecken“ sichtbar zu machen und vorhandene Potenziale systematisch aufzuzeigen. Ungeachtet dessen bleibt die Einschätzung des Bodenpersonals auch künftig zentraler und unverzichtbarer Faktor einer nachhaltigen Waldwirtschaft. Der entscheidende Unterschied besteht darin, dass man sich bei Bedarf nicht mehr ausschließlich auf diesen alleine verlassen muss.
Voraussetzung für den zielführenden Einsatz digitaler Wald-Werkzeuge ist jedoch eine klare Auseinandersetzung mit dem spezifischen Informationsbedarf:
- Was genau möchte ich denn gerne wissen?
- Wie gehe ich in der Folge mit diesen Informationen um?
- Und welche Genauigkeit ist dafür erforderlich?
Erst auf dieser Grundlage können Informationssysteme ihren vollen Nutzen für die forstbetriebliche Praxis entfalten. Im Lichte der auf uns zukommenden Herausforderungen (sofern manche von Ihnen diese nicht bereits hinter sich gebracht haben) werden wir diese Hilfsinstrumente dringend benötigen.
Webtipps: www.ocell.io; spacetrees.cz/de