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„Nach dem Käfer ist vor dem Käfer"

Ein Artikel von Priv.-Doz. Dr. Gernot Hoch, Gottfried Steyrer (BFW) | 30.03.2026 - 10:00
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Trügerische Idylle: „Nach dem Käfer ist vor dem Käfer" © Gernot Hoch / BFW

Auch wenn die Schäden durch Borkenkäfer in Österreich 2025 weiter zurückgegangen sind und dies als Erleichterung empfunden wird, bleiben sie auf einem Niveau, das vor 2000 kaum erreicht wurde. Wieder verursachte der Buchdrucker (Ips typographus) die mit Abstand meisten Schäden unter den Borkenkäfern. Der Rückgang der Buchdruckerschäden ist wesentlich dem weiteren Abklingen der Massenvermehrung im Süden Österreichs zu verdanken, namentlich in Osttirol und dem westlichen Kärnten. Der Trend über die Jahrzehnte steigender Borkenkäferschäden in Österreich wurde von uns schon dokumentiert (Hoch & Steyrer 2020). Für den Norden Österreichs war darüber hinaus ein signifikanter positiver Effekt der Trockenheit auf die Schäden nachzuweisen (Hallas et al. 2024). 

Internationale Studie zeigt Trend zu steigenden Borkenkäferschäden
Eine aktuelle, internationale Studie mit Beteiligung des Bundesforschungszentrums für Wald (BFW) – unter Verwendung von Daten aus der Dokumentation der Waldschädigungsfaktoren –, die Waldschadensdaten aus 15 zentral-, ost- und nordeuropäischen Ländern analysierte, bestätigt diesen Trend auch überregional. Zwischen 2002 und 2022 schädigten holz- und rindenbrütende Käfer an Nadelholz (also vor allem Borkenkäferarten) insgesamt 684 Mio. fm Holzvorrat. Davon gingen 86% auf das Konto des Buchdruckers. Über die Jahre stiegen die Schäden signifikant an, während andere Schadinsektengruppen, etwa Blatt- und Nadelfresser, keine vergleichbare Entwicklung zeigten.
Zwischen Schädigungslevel durch Holz-/Rindenbrüter und Trockenheit wurde ein signifikant positiver Zusammenhang nachgewiesen. Es zeigt sich also eine Häufung in wärmeren, trockeneren Gebieten und Jahren. Darüber hinaus wurde eine signifikante Synchronität des Verlaufes der Schädigung verzeichnet, was auf gemeinsame Faktoren hinweist, die die Populationsdynamik steuern. Dennoch zeigen regionale Unterschiede, wie die um sechs Jahre zeitverschobenen, voneinander unabhängigen Käferkalamitäten im Norden und im Süden Österreichs belegen, dass lokale Abweichungen möglich sind. 

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© https://doi.org/10.1111/gcb.70580 unter Creative Commons 4.0 International License

Integriertes Borkenkäfermanagement ist nötig
Die höhere Schädigungsintensität in wärmeren, trockeneren Regionen weist darauf hin, dass mit fortschreitendem Klimawandel mit einer weiteren Zunahme von Waldschäden zu rechnen ist. Der europäische Datensatz zeigt, dass Nadelholzarten besonders anfällig sind, wobei die meisten Schäden von nur wenigen Insektenarten – allen voran Buchdrucker bei Fichte und Sechszähniger Kiefernborkenkäfer bei Kiefer – verursacht werden. Insgesamt unterstreichen die Analysen von Hlásny et al. (2025) die Bedeutung des Waldschutzes in Zeiten des Klimawandels. Schädigungsfaktor-spezifische Dokumentationssysteme erweisen sich als wichtige Informationsquellen. 
Der Waldschutz im globalen Wandel muss als integriertes Schädlingsmanagement konzipiert sein. Dazu gehören Monitoringsysteme, vorbeugende und kurative Maßnahmen sowie Vorbereitungen für den Kalamitätsfall. Die 2025 wahrgenommene Entspannung bei Borkenkäferschäden ist als Zwischenhoch zu sehen. Ein großes Sturm- oder Schneebruchereignis oder eine Phase mit extremer Trockenheit kann rasch wieder zum Auslöser einer Massenvermehrung werden – „nach dem Käfer ist vor dem Käfer“. Zudem beschränken sich die Folgen des Klimawandels nicht auf die Fichte und auch nicht auf den Borkenkäfer. Europa sieht sich mit einer Zahl neu auftretender, invasiver Schadorganismen konfrontiert. Die Wälder Europas stehen unter zunehmendem Druck. 

Studie: Hlásny T., Modlinger R., et al. 2025: Divergent trends in insect disturbance across Europe's temperate and boreal forests. Global Change Biology 31, 11: e70580.