Symptomatische Zirben mit Nadelbräune und unterschiedlich stark ausgeprägter Schütte im unteren Kronenbereich. Der Verlauf der Krankheit ist typischerweise von einem Verlust der Nadeln in der Krone gekennzeichnet, der sich von innen nach außen und von unten nach oben entwickelt. © BFW
Die Zirbe (Pinus cembra) – eine langsam wachsende Kiefernart – ist durch ihre hohe Frostresistenz und Widerstandskraft eine der wichtigsten Baumarten in Hochgebirgswäldern der österreichischen Alpen. Durch ihr natürliches Verbreitungsgebiet nahe der Waldgrenze (1800 bis 2000 m) kommt der Zirbe als bestandesbildende Art von alpinen Schutzwäldern eine große Bedeutung zu: Von den 27.000 ha Zirbenwald, die es in Österreich gibt, sind etwa 40% (11.000 ha) im Schutzwald außer Ertrag (Österreichische Waldinventur 2016 bis 2021). Die „Königin der Alpen“, wie die Zirbe auch genannt wird, wird nicht nur wegen ihres imposanten Erscheinungsbilds verehrt: Regional haben Zirbenprodukte eine lange Tradition und erfreuen sich auch heutzutage großer Beliebtheit. Das wohlriechende Holz wird nicht nur zur Herstellung von Möbeln verwendet, aus ihm gewonnene ätherische Öle finden auch in Kosmetik- und Wellnessprodukten Verwendung. Die Zapfen werden zum unverwechselbaren Zirbenschnaps verarbeitet.
Probleme in den Gurktaler Alpen
Ein Verbreitungsgebiet der Zirbe, das vermehrt mit Problemen ringt, liegt zwischen den Bundesländern Salzburg, Kärnten und der Steiermark in den Gurktaler Alpen. In den Jahren 2024/25 kam es an verschiedenen Standorten in der Region zu einem auffälligen Schadauftreten an Zirben, weshalb das Bundesforschungszentrum für Wald (BFW) im Rahmen von mehreren Begehungen eine differentialdiagnostische Untersuchung durchführte. Symptome wie Nadelschütten, -verfärbungen und -verkürzungen, Fruchtkörper an Nadel- und Zweigen wurden dokumentiert und Proben zur genauen morphologischen Diagnose entnommen. Darüber hinaus wurden Zirben-Nadeln gesammelt, um diese mittels diagnostischer PCR-Analyse (Polymerase-Kettenreaktion) auf das Vorhandensein der Erreger von Nadelbräune an Kiefer (Pilze der Gattungen Dothistroma und Lecanosticta) zu untersuchen. An einem der Untersuchungsstandorte wurden Stammscheiben für Jahrringanalysen genommen.
2024 wurden mehrere Zirbenstandorte mit sehr unterschiedlichen standörtlichen Bedingungen untersucht. Zwei Bestände in Schönfeld (1730 bis 1760 m) mit Staunässe; flachgründige und trockene, teilweise stark sonnenexponierte Bestände auf der Turracher Höhe (1520 bis 1640 m), tiefgründige, gut drainierte Zirbenbestände östlich der Paal (1600 bis 1700 m) sowie Solitärbäumen entlang der Paal (600 m). In Folge von Windwürfen im Winter 2023 wurde in Schönfeld und der Turracher Höhe ein Befall durch den Kleinen Achtzähnigen Fichtenborkenkäfer (Ips amitinus) festgestellt, der typischerweise bereits geschwächte Bäume besiedelt. Hier wurde auch ein Befall mit dem Dunklen Hallimasch (Armillaria ostoyae) festgestellt. Alle Standorte wiesen eine physiologische Schütte (Augustschütte) auf, erkennbar durch die einheitliche Vergilbung der alten Nadeljahrgänge, ebenso eine ausgeprägte Kiefernschütte, verursacht durch Lophodermium seditiosum. An einigen Zirben konnten Nadelverkürzungen als Folge von Nadelschütte dokumentiert werden. Während im Sommer 2024 deutliche Symptome von Nadelbräune-Erregern der Gattungen Dothistroma und Lecanosticta sichtbar waren, konnten nur wenige reife Fruchtkörper dieser Pathogene an den Nadeln gefunden werden. Ein molekularer Nachweis von Dothistroma spp. erfolgte in Schönfeld und der Paal.
Der Zeitpunkt der Probennahme dürfte den Nachweis von Nadelpathogenen beeinflusst haben. Während die Proben 2024 Mitte August unter sehr warmen und trockenen Bedingungen entnommen wurden, erfolgte die Beprobung 2025 bereits Anfang Juli bei etwas kühleren und feuchteren Witterungsbedingungen. Diese beiden Faktoren begünstigten die Entwicklung und den Nachweis von Nadelpathogenen im zweiten Jahr der Untersuchung. Dies zeigte sich bei den Analysen der Nadelproben. Bei der morphologischen Untersuchung der Nadeln wurden zahlreiche reife Fruchtkörper von Nadelbräune-Erregern dokumentiert. Der molekulare Nachweis bestätigte das Vorhandensein von Dothistroma spp. und Lecanosticta acicola an allen untersuchten Standorten. Zusätzlich wurde auf der Turracher Höhe an einer stark geschädigten Zirbe der Große Lärchenborkenkäfer (Ips cembrae) nachgewiesen.
Weitere Waldstandorte bei Metnitz (1460 bis 1600 m) ergänzten die Probennahmen 2025. Auch hier wurden alle Nadelbräune-Erreger nachgewiesen. Zusätzlich wurde an entnommenen Stammscheiben eine Jahrring-Analyse durchgeführt. Diese zeigte ab dem Jahr 2000 einen deutlichen Einbruch des Zuwachses bei allen fünf untersuchten Zirben. Seither haben sich die Temperaturen stetig erhöht und die Zuwächse der Zirben blieben ungeachtet des Baumalters auf einem niedrigen Niveau.
Jährliche Temperaturmittelwerte [°C] der Periode 1965-2025 in Metnitz (Datenquelle: SPARTACUS, GeoSphere Austria) und radiale Zuwächse von fünf Zirben (Auswertung durch Institut für Waldwachstum, Waldbau und Genetik, BFW). © BFW
Zirbenbestände unter Druck durch Klimaerwärmung
Das veränderte Klima setzt die Zirbenbestände mehrfach unter Druck. Einerseits hat das Klima einen direkten Einfluss, etwa durch Wetterextreme und Hitze. Derzeit verursachen diese abiotischen Faktoren verstärkt an Zirben unterhalb ihrer optimalen Höhenstufe zwischen 1800 bis 2000 m eine physiologische Schwächung, was sich in der verminderten Zuwachsrate und erhöhten Anfälligkeit gegenüber sekundären Schaderregern zeigt. Andererseits begünstigen diese Bedingungen die Ausbreitung und Etablierung invasiver Nadelkrankheiten wie der Dothistroma- und Lecanosticta-Nadelbräune.
Bereits vor etwa 20 Jahren kam es im nahe gelegenen Oberen Murtal zu einem bemerkenswerten Schadauftreten an Zirben, wobei sich die Probleme auf Waldbestände im Bereich um 850 bis 1200 m Seehöhe und einzeln stehende Zirben auf niedrigeren Höhenstufen beschränkten. Damals kam es neben massiven Nadelschütten der zwei- und dreijährigen Nadeljahrgänge teilweise zum Absterben einzelner Bäume. Als damaliger Verursacher wurde Dothistroma septosporum, der Erreger der Dothistroma-Nadelbräune, identifiziert.
Der Verlauf dieser eingeschleppten Krankheit, die an verschiedenen Kiefernarten auftreten kann, ist typischerweise von einem Verlust der Nadeln in der Krone gekennzeichnet, der sich von innen nach außen und unten nach oben entwickelt. In der stärksten Ausprägung bleibt nur noch der jüngste Nadeljahrgang erhalten, was man als „Pinselstadium“ bezeichnet. Ein typisches Symptom an einjährigen Nadeln ist eine rot-braune Bänderung, bei der die Nadelbasis grün bleibt. Durch wiederholtes Schütten der Nadeln werden Bäume ausgehungert und geschwächt, was zu verkürztem Wachstum der Nadeln und auf lange Sicht zum Zurücksterben der Bäume führt.
Die Dothistroma-Nadelbräune, die auch bei den aktuellen Feldaufnahmen an allen untersuchten Standorten nachgewiesen wurde, scheint von der Klimakrise zu profitieren. Bis zu den 1990er-Jahren war sie vor allem in Kiefernplantagen auf der Südhemisphäre ein Problem. Ihre Ausbreitung in den Norden erfolgte zeitgleich mit den global stetig steigenden Temperaturen.
Auch die Lecanosticta-Nadelbräune, verursacht durch Lecanosticta acicola, wurde bei den Untersuchungen im Jahr 2025 an allen Standorten nachgewiesen. Für Zirben in Waldbeständen ist es das erste Mal, dass diese Krankheit in so einem Ausmaß dokumentiert werden konnte. Bei einer Infektion mit L. acicola weisen Kiefern ein ähnliches Krankheitsbild auf wie bei Dothistroma spp. – mit dem Unterschied, dass es keine rote Bänderung der einjährigen Nadeln gibt. Das erste großflächige Auftreten dieses Pathogens wurde vor etwa zehn Jahren auffällig und betraf vorrangig Latschen- und Spirkenwälder. Seither hat sich der Mikropilz erfolgreich in Österreichs Mooren und alpinen Schutzwäldern ausgebreitet.
Zunehmende Schädigung an Kiefern durch Schütte-Erreger
In den österreichischen Bergen war es 2025 so warm wie nur in einem einzigen anderen Jahr davor. Das schlägt sich nun auch außerhalb des hier beschriebenen Gebietes mit vermehrten Problemen an Zirben und anderen Kiefernarten in Hochlagen zu Buche. Aus der österreichweiten Dokumentation der Waldschädigungsfaktoren (DWF), die kürzlich vom BFW veröffentlicht wurde, geht hervor, dass es 2025 einen Anstieg der Schädigung von Kiefern durch (Kiefern-)Schütte-Erreger um fast das Fünffache im Vergleich zum Vorjahr gegeben hat. Besonders aus den westlichen Bundesländern sind vermehrt derartige Probleme gemeldet worden. Die zunehmende Zahl nichtheimischer Schadorganismen stellt damit auch künftig eine zentrale Herausforderung im Waldschutz dar, zumal sich die Auswirkungen neuer Arten unter veränderten Umweltbedingungen nur schwer abschätzen lassen.
Danksagung: Wir danken der Schwarzenberg’schen Forstverwaltung, insbesondere Dr. Erwin Lick, dem Land Kärnten und den privaten Waldbesitzer:innen für ihre Unterstützung und Mitwirkung an dieser Untersuchung im Rahmen des CLIFF Waldfonds-Projektes. Dieses Projekt wurde im Rahmen des Ressortforschungsprogramms über dafne.at mit Mitteln des Bundesministeriums für Land- und Forstwirtschaft, Klima- und Umweltschutz, Regionen und Wasserwirtschaft finanziert. Das BMLUK unterstützt angewandte, problemorientierte und praxisnahe Forschung im Kompetenzbereich des Ressorts.