Österreich

Fichte verliert Dominanz

Ein Artikel von Philipp Matzku | 22.06.2026 - 08:18
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Gelungene Mischwaldverjüngung unter dem Altholzschirm. © Andreas Schreyer

Die Modellrechnung der BFW-Studie unterscheidet zwischen einer Umbauphase bis 2050 und einer anschließenden Aufbauphase bis zum Ende des Jahrhunderts. In den kommenden zwei Jahrzehnten sollen durch verstärkte Nutzung von Starkholz- und schadholzgefährdeten Beständen sowie den Abbau von Durchforstungsrückständen gezielt Vorräte abgebaut werden. Ab 2050 ist wieder ein schrittweiser Aufbau der Holzvorräte vorgesehen.

„Der Klimawandel hat den Wald erreicht. Die Wälder sind in den vergangenen 10 bis 15 Jahren zu einem Betroffenen der Klimakrise geworden. Stürme, Trockenheit, Borkenkäfer und immer mehr Waldbrände suchen die Wälder heim. Der Wald der letzten 6000 Jahre unter weitgehend stabilen Klimabedingungen wird künftig nicht mehr existieren“, erklärte Dr. Silvio Schüler, Leiter des Instituts für Waldwachstum und Waldbau am BFW.

Demographische Änderungen

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Der Klimawandel lässt aufgrund zunehmender Extremereignisse nur begrenzt einen weiteren Anstieg der Holzvorräte zu © BFW

Der minimale Rückgang des Holzvorrats im österreichischen Ertragswald bei der jüngsten Waldinventur (ÖWI) auf 1174 Mio. Vfm wird von Schüler mit Verschiebungen in den Altersklassen erklärt. Zwischen den Erhebungen ÖWI 2007/09 und ÖWI 2018/23 haben insbesondere die Flächen mit Starkholz und starkem Baumholz um rund 10% zugenommen, während jüngere, wuchsaktive Bestände zurückgegangen sind.

Trotz eines Flächenrückgangs der Fichte im Ertragswald auf 47,6% konzentrieren sich weiterhin rund 60% des Vorrats auf diese Baumart. Gleichzeitig ist der Hektarvorrat laut ÖWI 2018/2023 auf 443 Vfm/ha gestiegen, wobei insbesondere alternde und häufig schwer zugängliche Fichtenbestände ein erhöhtes Kalamitätsrisiko aufweisen.

 

Wald wird jünger und artenreicher

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Die Waldfläche der Fichte wird bis zum Ende des Jahrhunderts in Österreich zurückgehen, ebenso jene der Rotbuche. Andere Nadelbaumarten werden hingegen an Fläche gewinnen.. © BFW

Die Studienergebnisse weisen auf signifikante Veränderungen in der Baumartenwahl hin. Bei der Auswahl klimatauglicher Baumarten erreicht die Fichte bis zum Ende des Jahrhunderts lediglich einen Anteil von 10,5%. Ihr Anteil an der Waldfläche sinkt in der Modellrechnung bis 2100 auf unter 30%, jener am Holzvorrat auf unter 50%. An der Holzernte hat Nadelholz weiterhin einen Anteil von 85%. Allein auf die Fichte entfallen 65%. Sie bleibt damit der wichtigste Rohstofflieferant für die Holzindustrie. Auf Laubholz entfallen bis zum Ende dieses Jahrhunderts lediglich rund 15% der Holzernte, da die Bestände überwiegend noch nicht die Hiebsreife erreicht haben.

Bei der Wahl klimatisch geeigneter Baumarten dominieren über alle Plots hinweg Lärche und Tanne mit jeweils 20%, gefolgt von Weiß- und Schwarzkiefer mit je 17% sowie der Douglasie mit 13%. Bei den Laubhölzern überwiegen Eichenarten (zusammen 18%), gefolgt von Linde (13%), Buche (11%) sowie Kirsche und Hainbuche (je 10%). Daraus entwickeln sich laut Schüler vor allem Eichen-Hainbuchen- sowie Eichen-Lindenwälder.

 

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Bis 2045 kommt es zu einer verstärkten Nutzung, die sich ab 2050 stabilisiert. Die Schadholzmengen bleiben auf einem niedrigen Niveau, erhöhen sich aber leicht © BFW

Der Flächenanteil anderer Baumarten, speziell Tanne, Lärche, Kiefer, Douglasie sowie Laubbaumarten, wird steigen. „Die Wälder werden jünger und artenreicher“, betonte Schüler. Beim Vorrat wird der Anteil der Rotbuche zulegen, ebenso jener von Nadelhölzern wie Tanne, Douglasie und Lärche. Ausgangspunt war der stehende Holzvorrat der ÖWI 2018/2023 mit 350 VfmS/ha. 

Vorrat reagiert verzögert, Holzeinschlag bleibt konstant

Die verstärkte Nutzung älterer Bestände lässt die Ernte bis 2040 von 27 auf 36 Mio. Efm steigen. Danach sinkt sie wieder und stabilisiert sich bis Ende des Jahrhunderts bei rund 22 Mio. Efm. Mit dem Rückgang der Nutzung steigen die Holzvorräte ab 2050 wieder an und erreichen bis 2100 etwa das Niveau von 1991 (972 Mio. Vfm). Der Zuwachs sinkt zunächst auf rund 7 Vfm/ha und erhöht sich später wieder auf etwa 8 Vfm/ha.

Damit bleibt die Rohstoffversorgung der Holzindustrie bis zum Ende des Jahrhunderts gesichert. Das Aufkommen an Sägerundholz stabilisiert sich bei rund 10 Mio. Efm (2025: 9,4 Mio. Efm). Die gesamte Nadelrundholzernte, einschließlich Säge-, Industrie- und Energieholz, bleibt in Österreich mit etwa 15 Mio. Efm konstant. Insgesamt soll sich die Holzernte langfristig wieder in einer ähnlichen Größenordnung wie heute einpendeln.

Waldumbau bei hoher globaler Erwärmung

Die Studie des BFW, die im Auftrag des Österreichischen Biomasse-Verbandes, der Landwirtschaftskammer Österreich und der Land- und Forstbetriebe Österreich erstellt wurde, zeigt Wege für einen beschleunigten Waldumbau auf. Im unterstellten ungünstigen Klimawandelszenario RCP 8.5 sollen bis 2050 ältere, zuwachsschwache und schadensanfällige Bestände verstärkt genutzt und verjüngt werden. Ziel sind klimaresiliente Mischwälder und mehr Holz zur Substitution fossiler Rohstoffe. Bestände mit hoher Anfälligkeit für Schadereignisse sollen geerntet und umgebaut werden. Dabei sollen die Rohstoffversorgung langfristig gesichert und Schadholzmengen reduziert werden. Ab 2050 steht wieder der Aufbau der Holzvorräte im Vordergrund.

Im Rahmen des Waldumbaus entstehen auf Basis verfügbarer Klimamodelle und unter Einbeziehung der Naturverjüngung artenreiche Mischwälder. Auf jeder Fläche werden mindestens drei klimataugliche Baumarten, darunter zwei Nadel- und eine Laubbaumart, eingebracht. Begründet wird dies mit der höheren Produktivität von Nadelhölzern, die einen schnelleren Vorratsaufbau ermöglichen.