Österreich

Bioenergie überholt Erdgas

Ein Artikel von Philipp Matzku (für Forstzeitung.at bearbeitet) | 19.06.2026 - 11:20

„Langfristig werden klimafitte Wälder wieder mehr Kohlenstoff aufnehmen und durch negative Emissionen aus Bioenergie und Kohlenstoffabscheidung samt Pflanzenkohle ergänzt werden“, erklärt Franz Titschenbacher, Präsident des Österreichischen Biomasse-Verbandes und ergänzt: "Es fehlt nicht an erneuerbaren Lösungen, sondern am Willen zum Ausstieg aus fossilen Energien". 

Elektrifizierung und Biomasse sollen gemeinsam den Weg zu einem fossilfreien, leistbaren Energiesystem ebnen. Die Strategie setzt dabei auf einen bioökonomischen Ansatz entlang des natürlichen Kohlenstoffkreislaufs von der Produktion, über die Verarbeitung bis zum Verbrauch.

 

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Mit 21% hat die Bioenergie das Erdgas mit 19,7% 2025 erstmals im Bruttoinlandsverbrauch in Österreich überholt. © Statistik Austria, Österreichische Energieagentur

Der Bruttoinlandsenergieverbrauch in Österreich belief sich 2025 auf 1.277 PJ. Davon entfallen 30,5% auf Öl, 21% auf Bioenergie und 19,7% auf Erdgas. 

Eine Detailanalyse des Wärmesektors unterstreicht die zentrale Rolle der Bioenergie für die Defossilisierung. Der saisonale Wärmebedarf ist demnach fünfmal höher als der Strombedarf, während die maximale Wärmelast mit bis zu 63 GW sechsmal so hoch ist wie jene im Stromsektor. Bereits heute wird rund die Hälfte der Wärme in Österreich durch Biomasse bereitgestellt. Vor allem Pellets, Hackgut und Brennholz gelten laut Studie als unverzichtbar, um die Versorgungslücken im Winter zu schließen und die EU-Erneuerbaren-Ziele zu erreichen.

Die Studie zeigt zudem erhebliche Ausbaupotenziale auf. Durch einen beschleunigten Waldumbau und verstärkte Mobilisierung von Holzressourcen könnte die Biomassenutzung bis 2040 von derzeit rund 250 PJ auf 300 bis 350 PJ steigen. Gleichzeitig wäre ein vollständiger Ersatz von Ölkesse durch erneuerbare Systeme, insbesondere Bioenergie, bis 2040 möglich. Neben der Reduktion fossiler Energieträger würde dies die regionale Wertschöpfung stärken, Arbeitsplätze sichern sowie die Versorgungs- und Krisensicherheit Österreichs erhöhen. Förderungen für Bioenergie seien daher auch aus volkswirtschaftlicher Sicht sinnvoll.