Exkursionen im virtuellen Wald

Ein Artikel von Prof. Dr. Sebastian Hein (HFR) ,Christoph End (HFR), Gabriele Hägele (HFR) | 31.08.2022 - 08:38
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© HFR, Pixabay

Im Rahmen des vom deutschen Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) finanzierten Projektes „3-Pfeile“ (Leitung: Prof. Dr. Sebastian Hein und Christoph End) wurde die Umsetzung eines digitalisierten Waldes begonnen, um diesen für Besucher auch über ferne Distanzen in einer 360°-Umgebung und teilweise in 3D erlebbar zu machen. Dazu wurden Plenterwaldflächen – als besonders naturnah geltende Wälder, hier mit „jungen und alten Tannen, Fichten und Buchen auf engem Raum nebeneinander wachsend“ – in Loßburg bei Freudenstadt im Schwarzwald mittels modernster Fototechnik und Drohneneinsatzes vermessen, aufbereitet, mit Lerninhalten ergänzt und auf der Plattform https://www.hs-rottenburg.net/wald360 verfügbar gemacht. Auf der 3D-Plattform ist eine Waldexploration in Form eines Selbststudiums sowie eine angeleitete Vorlesung in Echtzeit möglich. 3D-Brillen ermöglichen die Erfahrung, direkt in den Wald einzutauchen, sich umzuschauen und einen realistischen Eindruck eines Schwarzwälder Plenterwaldes zu erhalten.

Studiengangübergreifende Zusammenarbeit
Zunächst wurde die Plattform in der eigenen digitalen Lehre als Exkursionsersatz und -vorbereitung eingesetzt. Auch bei der Erstellung wurde didaktisches Neuland beschritten: Im studiengangübergreifenden Kooperationsformat erarbeiteten Studierende des Masterstudiengangs Forstwirtschaft Inhaltsbausteine, um den jüngeren Kommilitonen die Besonderheiten der Plenterwaldbewirtschaftung mittels Verwendung der Lehrplattform zu vermitteln.
Die Plattform wurde dabei auf in Kürze folgende Mehrsprachigkeit (Englisch, Japanisch) ausgelegt, die sich auf alle Darstellungsformen erstreckt (Filme, Foto, Tabelle, Grafik, Text, Quiz...). Unterstützt wurden die didaktischen und technischen Lösungen durch ein Projekt, mit dem die Hochschule für Forstwirtschaft innovative didaktische Lehre fördert.

Technologie kann Waldbesuch nicht ersetzen
Gabriele Hägele, Referentin für Hochschuldidaktik, zeigte sich vom 3D-Wald begeistert und sieht die Ziele des Projektes – Eigenmotivation und Selbststeuerung der Studierenden anzuregen – gut im Fokus. Gleichfalls erfüllt diese Art des digitalisierten Lernens eine Reihe von Zielen für eine nachhaltige Entwicklung, den von den 17 Sustainable Development Goals (SDG). Zentrale ökologische Aspekte, wie das nachhaltige Bewirtschaften von natürlichen Ressourcen (SDG 15) können jetzt durch den erleichterten Zugang zu Wissen (SDG 4) sogar klimaneutral beziehungsweise emissionsreduziert (SDG 12) global (SDG 17) vermittelt werden. „Sicher gehört diese wichtige Erfahrung zu den positiven Dingen, die sich aus der Pandemie entwickelt haben“, so ein erstes Resümee von Univ.-Prof. Sebastian Hein. Es ist bereits geplant, weitere Wälder in diesem Format zu präsentieren – allerdings fügt er hinzu: „Auch wenn neue Technologien den Wald digital erlebbar machen, so ist doch der echte Besuch eines Waldes durch nichts zu ersetzen.“
Dieser  Zugang ist nicht nur für die eigenen Studierenden wichtig, sondern insbesondere auch für die zahlreichen internationalen Gäste, die etwa im Rahmen von Summer Schools die Hochschule für Forstwirtschaft Rottenberg (HFR) besuchen und denen eine Reise nach Deutschland nicht möglich ist. Im besonderen Fokus standen diesmal vor allem die mehr als 50 Studierenden und Professoren aus Japan, die alljährlich im Herbst zu einer forstlichen Exkursionswoche die Wälder im Südwesten „live“ erleben wollten und nun durch die Pandemie gehindert sind.

Webtipp: www.hs-rottenburg.net/wald360