Arboboost

Bio-Wasserspeicher für Forstpflanzen

Ein Artikel von Philipp Matzku | 03.03.2026 - 12:42
Arboboost_gutschlecht.JPG

Nach Feldversuchen and Forstpflanzen konnte bereits nach acht Wochen signifikante Unterschiede bei der Wurzelbildung festgestellt werden © Arboboost

Trockenstress, steigende Ausfallsquoten und zunehmend volatile Witterungsverläufe stellen den Waldbau vor wachsende Herausforderungen. Gerade in der sensiblen Anwuchsphase entscheidet nicht allein die Baumartenwahl über den Kulturerfolg, sondern vor allem der Zustand des Standorts. Wasserverfügbarkeit im Wurzelraum, Durchwurzelbarkeit des Bodens sowie ein aktives Bodenleben zählen zu den zentralen Faktoren für eine stabile Etablierung junger Forstpflanzen.

In vielen Aufforstungen liegt die Hauptproblematik nicht im Nährstoffangebot, sondern in der eingeschränkten Wasserspeicherung. Verdichtete Böden, fehlende Humusauflagen nach Schadereignissen sowie längere Trockenperioden erschweren die Feinwurzelbildung. Die Folge sind vermindertes Höhenwachstum, reduzierte Vitalität und erhöhte Ausfallraten – selbst bei standortgerechten Baumarten.

Ein praxisnaher Lösungsansatz wird durch ein in Oberösterreich entwickeltes System biologisch-organischer Bodenhilfsstoffe geboten. Eine Kombination mehrerer entscheidender Komponenten sorgt dafür, dass die Forstpflanze beim Einpflanzen ein optimales Umfeld vorfindet und sich gut entwickeln kann. Hinter der Marke Arboboost steht ein Unternehmen, das seine Wurzeln in der professionellen Baumpflege hat. Die dort gesammelten Erfahrungen mit geschädigten Stadt- und Waldbäumen, die häufig unter Bodenverdichtung, Staunässe oder Trockenstress leiden, führten zu einer Spezialisierung auf Standortsanierung und Bodenverbesserung. Ziel ist es, nicht nur Symptome zu behandeln, sondern die Standortbedingungen langfristig zu verbessern.

Systemansatz im Wurzelraum

Arboboost_Erde.JPG

Das Wasserspeichergranulat bleibt bis zu fünf Jahre im Boden aktiv, bevor es in Humus übergeht © Arboboost

Die Produkte BaumBoost Endo und BaumBoost Ekto kombinieren drei funktionale Komponenten zu einem anwenderfertigen System: ein Biohydrogel auf Ligninbasis, ein Mykorrhiza-Inokulum sowie einen organischen Bodenaktivator. 

Das Wasserspeichergranulat basiert auf Lignin, einem natürlichen Bestandteil von Holz. Es kann das Zehn- bis Fünfzehnfache seines Eigengewichts an Wasser aufnehmen und bedarfsgerecht wieder an die Pflanze abgeben. Die Speicherleistung bleibt unabhängig von Bodenart und Temperatur pflanzenverfügbar. Das Material ist vollständig biologisch abbaubar, mikroplastikfrei und bleibt bis zu fünf Jahre im Boden aktiv, bevor es in Humus übergeht. Im Gegensatz zu synthetischen Polymergelen wird damit organische Substanz wieder in den Standortkreislauf zurückgeführt.

Eine zweite zentrale Säule bildet die Mykorrhiza-Inokulation, also die gezielte Einführung von Mykorrhizapilzen in den Wurzelbereich von Pflanzen, um eine symbiotische Beziehung zwischen Pilz und Pflanze herzustellen oder zu verstärken. Je nach Baumart kommen Endo- beziehungsweise Ekto-Mykorrhiza zum Einsatz. Insbesondere im Forst spielt die Ekto-Mykorrhiza – etwa bei den Laubholzarten Buche, Eiche, Hainbuche oder Erle sowie den Nadelholzarten Fichte, Kiefer, Douglasie oder Tanne – eine entscheidende Rolle. Das Pilzmyzel bildet eine Hülle um die Wurzel und vergrößert dadurch die effektive Wurzeloberfläche um ein Vielfaches. Gleichzeitig verbessert es die Aufnahme von Wasser, Phosphor und Stickstoff und steigert die Trockenstressresistenz der Pflanze. Darüber hinaus stabilisieren Mykorrhiza-Pilze die Bodenstruktur und fördern die Feinwurzelbildung. Arboboost bietet auf seiner Homepage einen Mykorrhiza-Finder, mit dem sich die passenden Pilze für die Pflanzungen auswählen lassen.

 

Arboboost_Granulat_Icon.JPG

Der aktivierte Wasserspeicher ist bis in die Feinwurzeln aktiv © Arboboost

Ergänzt wird das System durch einen organischen Bodenaktivator auf pflanzlicher und tierischer Rohstoffbasis. Dieser dient weniger der unmittelbaren Düngung als vielmehr der Aktivierung des Bodenmikrobioms. Ziel ist eine gleichmäßige, moderate Nährstofffreisetzung und die Schaffung eines stabilen biologischen Umfelds für Wurzel-Pilz-Symbiosen.

„Wir sind das erste biozertifizierte Wasserspeichergranulat im Forstbereich. Das große Plus unseres Systems ist, dass es sich um eine anwenderfertige, pH-neutrale Lösung handelt, die boden- und temperaturunabhängig eingesetzt werden kann. Die Produkte der Marktbegleiter bestehen meist aus synthetischen Polymeren,“ erklärt Arboboost-Geschäftsführer Oliver Hermann. 

Als Wasserspeicher muss das Produkt gezielt an die Wurzeln, idealerweise direkt ins Pflanzloch, gebracht werden, damit die Mikroumgebung aufgebaut, die Symbiose gestartet und die Bäume optimal entwickelt werden können. Eine oberflächige Ausbringung ist wirkungslos. „In den Pflanzlöchern, in denen die Forstpflanzen eingesetzt werden, ist die Erde lockerer, wodurch das Wasser leichter einsickern kann. Gleichzeitig wird auf diese Weise auch das Hydrogel aktiviert“, informiert Hermann.

Praxisnachweis im Forstversuch

Arboboost_aktivierter_Wasserspeicher_Feinwurzel.png

Der aktivierte Wasserspeicher ist bis in die Feinwurzeln aktiv © Arboboost

In einem Forstversuch auf einer Aufforstungsfläche nach Rodung wurden verschiedene Laubbaumarten mit unterschiedlichen Aufwandmengen behandelt. Bereits wenige Wochen nach der Pflanzung zeigten sich signifikante Unterschiede gegenüber unbehandelten Kontrollpflanzen: ein um rund 300% erhöhter Feinwurzelanteil, bis zu 30% mehr Höhenzuwachs sowie deutlich reduzierte Ausfallsraten (3% gegenüber 26%). Höhere Aufwandmengen führten dabei zu keinem zusätzlichen Mehrwert – ein relevanter Aspekt für die Wirtschaftlichkeit im praktischen Einsatz. 

Anwendungstechnisch wird das Granulat direkt in den durchwurzelbaren Raum eingebracht, meist ins Pflanzloch oder als Tauchlösung für wurzelnackte Pflanzen. Eine oberflächliche Ausbringung gilt als fachlich wirkungslos. Erst durch Niederschläge oder Initialbewässerung wird das Hydrogel aktiviert und speichert Wasser unmittelbar im Wurzelbereich.

„In trockeneren Regionen mit 350 bis 400 mm Jahresniederschlag kann eine höhere Dosierung unseres Hydrogels sinnvoll sein, während in regenreicheren Gebieten weniger benötigt wird“, erläutert Marie Auer, Prokuristin bei Arboboost. 

Die Nährstoffversorgung erfolgt bewusst gering, damit die Bäume langsam, gesund und stabil mithilfe der Mykorrhiza-Symbiose und ausreichender Wasserversorgung wachsen. In bestehenden Wäldern mit Humusauflage ist meist genug Feuchtigkeit vorhanden, während auf Flächen nach Käferbefall, Windwurf oder Kahlschlägen eine Neubepflanzung nötig ist. Auf Freiflächen ist besonders der Bodenfeuchtigkeitsgehalt entscheidend: Je früher die Aufforstung erfolgt, desto einfacher die Pflanzung. Das Granulat lässt sich mit einem Dosiergerät präzise in Mengen von 20 oder 30 Gramm direkt ins Pflanzloch einbringen, ein Vorratsbehälter fasst etwa 5 kg.

Standortspezifische Relevanz

Arboboost_Pflanzung2.jpg

Mit Hilfe eines Setzpfluges werden Forstpflanze und Dünger ausgebracht © Arboboost

Besonders auf Freiflächen nach Käferkalamitäten, Windwurf oder Kahlschlag – häufig mit reduzierter Humusauflage – kann zusätzlicher Wasserspeicher entscheidend sein. Auch schwere, lehmhaltige Böden wie Pseudogleye profitieren, da Pflanzlöcher lokal die Infiltration verbessern und so Wasser gezielt verfügbar halten. In niederschlagsarmen Regionen kann eine angepasste Dosierung helfen, längere Trockenphasen zu überbrücken.

Aus der Praxis wird berichtet, dass sich der Hauptnutzen weniger im kurzfristig beschleunigten Höhenwachstum zeigt, sondern in der stabileren Kulturentwicklung. Geringere Ausfälle, vitalere Pflanzen und reduzierte Nachbesserungsintervalle können den Mehraufwand bei der Pflanzung kompensieren – insbesondere in exponierten Lagen oder schwierigem Gelände. „Beim Laubholz lagen Blattmasse und Dickenwachstum in der ersten Vegetationsperiode um 35 bis 50% höher. Für den Forstwirt bedeutet dies weniger Nachpflege, einfacheres Ausmähen und eine frühere Beendigung der Pflege durch schneller wachsende, vitale Pflanzen“, betont Hermann. Auer ergänzt: „Obwohl der Einsatz des Wasserspeichers einen zusätzlichen Arbeitsschritt bedeutet, kann er vor allem in Regionen mit hohen Ausfallsquoten von 70 bis 80 %, etwa den Kalkalpen oder trockenen exponierten Lagen wie im Burgenland, lohnend sein, da er langfristig Nachpflanzungen reduziert.“

Nachhaltigkeitsaspekt

Alle eingesetzten Rohstoffe sind biologisch zertifiziert, regional produziert und vollständig abbaubar. Der Verzicht auf synthetische Polymere adressiert zugleich die zunehmende Problematik von Mikroplastik in Böden. Für diesen ganzheitlichen Ansatz wurde das Unternehmen 2025 bei den deutschen TASPO Awards in der Kategorie „Beste Konzept für Nachhaltigkeit und Umwelt“ ausgezeichnet.